Im Katalog sind 343 Biographien dokumentiert, die in drei Grobkategorien eingeteilt werden können [1]

A die Fälle einer sehr weitgehenden Verfolgung, ggf. Vertreibung:

 Hierher werden alle Schicksale von Verfolgten gerechnet, die umgebracht wurden, sowie solche, die entlassen wurden und auswandern mußten. Dazu werden auch die Fälle gerechnet, bei denen der Ehepartner verfolgt war, mit dem gemeinsam die Auswanderung erfolgte. Weiter werden die Fälle hierher gerechnet, bei denen die Auswanderung bzw. das Exil gewissermaßen in Antizipation der zu erwartenden Verfolgung praktiziert wurde. Dadurch werden die Abgrenzungen z.T. fließend. Das gilt auch für die ebenfalls hierher gerechnete Gruppe derer, die 1933ff. im Ausland waren und nicht zurückkehren konnten, ohne sich einer Verfolgung auszusetzen. Dabei sind die Voraussetzungen für eine rassistische Verfolgung zwar eindeutig, in den Unterlagen aber nicht immer eindeutig zu fassen. Problematisch ist  die Einordnung nach politischer Gegnerschaft, die nur im Falle offener politischer Aktivitäten hier als solche gerechnet wird.

In diesem Sinne dokumentiert der Katalog 270 solcher Biographien:

Adolf, Albu-Jahoda, Anhegger, Anstock, Argelander-Rose, Arndt, Aronstein, Auerbach, Austerlitz*, Babinger, Bach, Bacon, Bäuml, Bar-Hillel, Bartholmes, Ben-Hajjim, Benjamin, Benton, Bergel, A. Bieler, L. Bieler*, Bin-Nun, H. Birnbaum, S. Birnbaum, Blau, Bliss, Bloch, Boas, Bonheim, Borinski, Bornemann, Bräu, Brandt, Braun, Bravmann, Bremer*, Brunner, Ch. Bühler*, K. Bühler, Carnap, Caskel, Cassirer, Cohn, Cunz, Debrunner, Deutsch, Dotan, Eisler, Elliott, Engel*, Erman, Falk, Feist, Fiesel, Fillenbaum, Flusser*, Forchheimer, E. D. M. Fraenkel, E. Fraenkel, H. F. Fraenkel, Freud*, Freudenthal, Freund, Friedmann, Fritz, Froeschels, T. Fuchs, Fuks, Gaede, Galton, Garvin, B. Geiger, Th. Geiger, Gelb, Glogauer, Goetze, Goldman, Goldschmidt, Goldstein, Goshen-Gottstein, Güterbock, Gumperz, Gutkind, Gutmann, Guttmann, Haas, Halpert, Hamburger, Hatzfeld, Hecht, Heimann, Henning, Hercus, Hertz, Herzfeld, Herzog*, Hesse, Hittmair, G. Hoenigswald, H. M. Hoenigswald, R. Hoenigswald, Homberger, Homayer, Husserl, Imelmann, Jackson, Jacobsohn, Jaeger, Jellinek, Jokl, Jordan, H. Kahane, R. Kahane, Kahle, Klaus*, Klein*,  Klemperer, Koppers, Korsch, F. R. Kraus, K. Kraus, P. E. Kraus, Krauss, Kris, Kronik, Lahmann-Pietrkowski, Landsberger, Lasch, Latte, Laufer, Lazarsfeld, Lehmacher*, Lehner, Leibowitz, Lenneberg, Leo, Lerch, Leslau, Levy, Lewent, E. Lewy, J. Lewy, H. Lewy, Lichtenstadter, Liebenthal, Loose, Maas, Malkiel, Marchand, Marcuse, Matouš, Mautner, Menges, Mish, Mittwoch, Modrze, Muchow*, Müller-Lisowski*, Naumann, Nehring, Neisser, Neuberger-Donath, Norden, Oellacher, Oettinger, Olschki, Oppenheim, Pachter, Perloff, Pflüger, Piasek*, Pick, Plessner, Poebel, Pokorny, Politzer, H. W. Pollak, Polotsky, Pulgram, Rabin, Ramberg-Figulla*, F. Ranke, Rechnitz, Rechtschaffen, Reichardt, Reichenbach, Reichenberger, Reifler, Reuning, Rice, Richter, Ritter, Rohde, H. B. Rosén, H. Rosén, Rosenberg, Rosenthal, Rosthorn, Ruben, G. E. Sachs, L. Sachs, Samuelsdorff, Sandmann, Sapir, Schaechter, Schaeffer, Scheftelowitz, Scheludko*, Scherman, Schindler, Schirokauer, E. Schlesinger, G. Schlesinger, Schmidt, Schneider, Schnitzler, Schwarz, Seidel, Seidel-Slotty, Seligso(h)n, Selz, Siemsen, Simon, Skutsch, Slotty, Spanier, Speier, A. Sperber, H. Sperber, Spitz, Spitzer, Sponer, O. Stein, R. A. Stein, Steindorff, Steiner*, Steinitz, C. Stern*, W. Stern, Stevens, Stoessl, Storfer, Strauss*, Tedesco, Thieberger, Tietze, Tille-Hankamer, Tur-Sinai, Voegelin*, Walz, Weigl*, Weil, Weinberg, Weiner, M. Weinreich, U. Weinreich, Weissbach, Werner, H.Wilhelm, Wittgenstein*, Wittek, Wittfogel, Wolf, Wolff, Woskin-Nahartabi*, H. Zimmer, K. E. Zimmer, G. Zuntz, L. Zuntz.

B die Fälle einer Verfolgung oder zumindest von Konflikten, die ein Überleben im Reich zuließ:

 Hier findet sich ein breites Spektrum von mehr oder weniger weitgehender Verfolgung/ Disziplinierung, unterhalb der Schwelle einer förmlichen Entlassung, oft aber mit Konstellationen, die in anderen vergleichbaren Fällen gravierendere Konsequenzen gehabt hätten. Hier sind die Bedingungen, bei denen, die sich der weiteren Verfolgung durch die Flucht/ Emigration entzogen (bzw. in den frühen Jahren noch entziehen konnten) – oder aber auch bei denen, bei denen die Verfolgung einen tödlichen Ausgang nahm, oft nicht von denen zu unterscheiden, die unter günstigeren Bedingungen im Reich überleben konnten, ggf. auch bei der Wehrmacht eingezogen wurden, u.U. sogar ihre Arbeit fortsetzen konnten. Die hier dokumentierten 35 Fälle machen das Spektrum der Konstellationen einigermaßen deutlich:

Anthes, Arntz, Back*, Bosch, Erkes, Falkenstein, Förster, Grumach, Haffner*, Hetzer, Hirsch, Kaiser*, Krahe*, Künssberg, Lentz*, H. Lüders, Meriggi, Neumann,W. Pollak*, H. Ranke, Rauhut, Rohlfs, Schmidt-Rohr, Schmitt, Schücking, Stammler, Tiktin, Trubetzkoy, Vater*, Vossler, Wagner, Walter, F. Wilhelm, Wölfel*, Woitsch.

C die Fälle, bei denen eine Verfolgung nicht offensichtlich ist:

Hier reicht das Spektrum von Fällen, in denen keinerlei Anhaltspunkt für Verfolgung besteht, die aber dokumentiert werden, weil sie in den einschlägigen Quellen (z.B. den Londoner Listen der »displaced scholars«) auftauchen, über andere, die ebenfalls ohne Verfolgungshintergrund mit den Exilierten die Auswanderungssituation teilten, bis hin zu solchen, die für eine Tätigkeit im Ausland delegiert wurden (dann auch als Parteigänger des Regimes). Wie bunt dieses Spektrum sein kann, zeigen die hier dokumentierten 39 Fälle:

Baader, Bossert, Brauner-Plazikowski, Brinkmann, Buck-Vanioğlu , H. Collitz, K. Collitz, Diehl, Doegen, Fahrner, Fleischhauer*, W. Fuchs, Gabain*, Groth, Haloun, Havers, Heyd, Hibler-Lebmannsport, Horn, Hübener, Jolles, Junker*, Krause, Kurath, Kuttner, Lenz, Lessing, Lindheim, E.-M. Lüders, Menzel, Mezger, Penzl, Peters, Prokosch, Springer, Steinen, Steuerwald, Straubinger, Zach.


Die Zusammenstellung des Katalogs war durch die Vorgaben der einschlägigen Forschung bestimmt, die hier genutzt wurde. Dazu gehören insbesondere auch die schon zeitgenössischen Kataloge von Opfern des Nationalsozialismus.[2] Wenn sich bei den Recherchen keine Anhaltspunkte für eine Verfolgung ergeben haben, sind doch alle dort aufgeführten einschlägigen Fälle hier dokumentiert, da der Katalog ein Arbeitsmittel für die weitere Forschung sein will und mit diesen Zusammenstellungen Fährten gelegt wurden, die hier auf diese Weise zumindest ein Stück weit untersucht sind.

Insofern sind die mit diesem Katalog dokumentierten 343 Biographien in unterschiedlicher Weise im Sinne des Titels »Verfolgung und Auswanderung deutschsprachiger Sprachforscher« einschlägig.

Es gibt die Gruppe derer, die die Verfolgung in ihrer brutalsten Form traf:

In einer großen Bandbreite sind weitere Biographien dokumentiert, die sich mit der Repression arrangierten:

Nicht einschlägig sind in diesem Sinne die im Katalog dokumentierten Fälle von »regulärer« Auswanderung im gleichen Zeitraum bzw. in der Folge einer früheren Auswanderung, s. H. Collitz, K. Collitz, Fleischhauer*, Jolles, Kurath, Lenz, Lessing, Mezger, Penzl, Prokosch, Springer, W. Fuchs, Von Zach.

Weitere Fälle sind aus systematischen Gründen dokumentiert:

  • so einige, die im Verlauf ihrer Karriere gewissermaßen die Fronten gewechselt haben, s. Schmidt-Rohr, Stammler, oder ohnehin auf der anderen Seite standen, aber im schwierigen Übergangsfeld von Emigration und Exil situiert sind, s. Bossert, Brinkmann, Gabain*; zur Tätigkeit in einem Exilland s. auch Junker*; zu den Formen des Arrangements mit den Verhältnissen s. z.B. Kaiser*,
  • schließlich sind die Biographien von Diehl, Havers (s. aber dort), Hibler-Lebmannsport, Kuttner; Von Lindheim, Menzel dokumentiert, bei denen entgegen den Hinweisen in den ausgewerteten Quellen keine Verfolgung ersichtlich ist;
  • weitere acht Biographien sind aufgrund entsprechender Hinweise in den Quellen dokumentiert, obwohl die Betroffenen nicht als Sprachforscher anzusehen sind (Benton, Jolles, Kronik, Lehner, H. Lewy, Muchow*, Wittfogel, Voegelin*); zu den Abgrenzungsproblemen s. auch bei Ch. Bühler*.

Der Katalog dokumentiert insofern 38 Biographien von Personen, die nicht als verfolgte Sprachforscher anzusehen sind. Es sind gewissermaßen Kontrastbiographien, die die Komplexität des Feldes deutlich machen.

Mit diesem Katalog sind also 304 Biographien Verfolgter, davon 297 Sprachforscher, dokumentiert. In Maas (2016) werden die fachlichen Arbeitsfelder dieser Personen statistisch aufgefächert, die in den Einträgen des Katalogs genauer charakterisiert werden.


[1] Der Terminus Sprachforscher im Titel des Werks ist selbstverständlich im traditionellen Sinne als sexus-unterspezifiziert zu verstehen: wo es der Kontext verlangt, werden spezifische Termini wie Sprachforscherin(nen) benutzt.
[2]
Insbesondere die in London erschienenen List of displaced scholars (1936),   Nachträge (1937 u.ö.). Genaueres dazu in Maas (2016).

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