Loose, Gerhard

Geb. 24.11.1907 in Leipzig, gest. 25.1.2000 in Kennett Square/Pennsylvania.

 

Nach dem Abitur 1927 in Leipzig dort Studium der Germanistik, Geschichte, Soziologie und Philosophie von 1927-1933, 1928-1929 auch in Wien. Er promovierte 1933 in Leipzig mit einer soziologischen Dissertation »Die Religionssoziologie Georg Simmels«,[1] die bemerkenswert ist durch den Versuch, marxistische Analysen (u.a. zur Frage des Klassenbewußtseins) in die Reflexion mit einzubeziehen. L. war antifaschistisch aktiv in der KPD und ihrem organisatorischen Umfeld bei der Roten Hilfe, der Agitprop, der Roten Studentengruppe u.a. Bis 1934 unterrichtete er und leitete auch die Marxistische Arbeiterschule der KPD in Leipzig. Mehrfach erlitt er Repressalien durch die SA, 1933 wurde er verhaftet.

Nach der Entlassung emi­grierte er 1934 in die USA, wo er von verschiedenen Jobs lebte, u.a. von privatem Sprachunterricht, auch als Lehrer an mehreren Colleges. Von 1939-1965 unterrichtete er an der dt. Abteilung in Boulder/Colorado, unterbrochen vom Kriegsdienst 1942-1945. Während seiner Militärzeit in der US-Armee, mit der er 1942-1945 auch in Europa war, gehörte er zum Geheimdienst und war für die Befragung von deutschen Kriegsgefangenen zuständig.[2] Über deren Sprachgebrauch sammelte er systematische Beobachtungen, die er später auch publizierte: »Zur deutschen Soldatensprache des Zweiten Weltkrieges«.[3] Der Aufsatz enthält ein umfangreiches lexikalisches Corpus, das er in Hinblick auf die Wortbildung analysiert und mit soziolinguistischen Anmerkungen versieht. Diese Sprachanalyse ist allerdings in seinem Gesamtwerk marginal. Ebenso marginal sind kleinere fremdsprachdidaktische Arbeiten der früheren Jahre, z.B. eine gemeinsame Studie mit P. G. Schroeder, »Simpler rules for the main uses of the German subjunctive«,[4] die sich gegen die grammatischen Vorgaben der deutschen Schulgrammatik richten, die an der lateinischen Grammatik orientiert sind und von daher mit Tempusunterschieden auch im Subjunktiv (Konjunktiv) operieren; dem gegenüber stellten L. und Sch. ihre Analyse und die didaktischen Vorschläge auf den Kontrast des Deutschen zur Praxis des Englischen ab. 

Publiziert hat er zur modernen deutschen Gegenwartsliteratur, mit literatursoziologischen Untersuchungen zu einzelnen Autoren wie Ernst Jünger, Gottfried Benn, Franz Kafka und Heinrich Mann. Entsprechend sind in seiner FS (Q) auch keine sprachwissenschaftlichen Beiträge vertreten. 1947 wurde er Assistant Professor in Boulder, seit 1953 hatte er dort eine ordentliche Professur an der deutschen Abteilung; 1965-1969 hatte er eine Professur für deutsche Literatur an der Rochester Universität in New York. 1963 unternahm er einen Forschungsaufenthalt in der DDR (bei der Akademie in Berlin).

 

Q: BHE; DBE 2005; Festschrift mit Bibliographie: St. Grunwald/B. A. Beatie (Hgg.), »Theorie und Kritik. Zur vergleichenden und neueren deutschen Literatur«, Bern: Francke 1974; Dt. Exilarch. Ffm. 1997; IGL.

 


 

[1] Leipzig: Leipziger Druckerwerkstätte 1933.

[2] Über die Ergebnisse seiner Befragung von Generalstabsoffizieren berichtete er später in: »The German High Command and the Invasion of France«, in: Military Affairs, Jg. 1947: 159-164.

[3] In: J. Engl. Germ. Ph. 46/1947: 279-289.

[4] In: The German Quarterly 17/1944: 14-22.