Leibowitz, Nechama

Geb. 3.9.1905 in Riga, gest. 12.4.1997 in Jerusalem.

 

Der Vater war Kaufmann (lettischer Staatsangehöriger). Mit der Familie zog sie 1919 nach Berlin; 1925 Abitur. 1925-1928 Studium der Germanistik, Englisch, alttestamentarische Philologie in Berlin, 1928-1930 in Marburg. Als ihre Lehrer gibt sie in der Vita an: Brandl, Dibelius, Herrmann, Neckel, Petersen, Roethe, Deutschbein, Landsberger, Trier, Wrede, Helm (der die Dissertation betreut hatte). Die Dissertation »Die Übersetzungstechnik der jüdisch-deutschen Bibelübersetzungen des 15. u. 16. Jhdts., dargestellt an den Psalmen. 1. Teil: Syntaktisch-stilistische Untersuchungen«[1] ist eine ambitionierte übersetzungstheoretische Arbeit, die die analysierten Bibelübersetzungen als interlineare Glossierung erweist, die nicht als Übersetzungen im modernen Sinne an die Stelle des Originals treten sollen. Sie zeigt unterschiedliche solcher Glossierungstypen auf, abgestellt auf unterschiedliche Lesertypen, entsprechend deren unterschiedlichem Bildungsvermögen bzw. unterschiedlichen Möglichkeiten, mit Hilfe der Glossen den Originaltext zu verstehen oder nicht. Als exemplarische methodische Kontrolle analysiert sie im Detail Psalmenübersetzungen, wo die Leseübersetzungen den syntaktischen Filter des Deutschen zeigen, gegenüber »philologisch orientierten« Interlinearübersetzungen, die gegen die grammatischen Regeln des Deutschen verstoßen (»doppelte Subjekte«, Artikelsetzungen als Replik auf Constructus-Syntagmen, hebräische Genusmarkierungen u. dgl.).

Bei L. steht eindeutig das Bemühen um den hebräischen Bibeltext (die Torah) im Vordergrund, dem auch ihre spätere Arbeit in Palästina/Israel galt; eine Auseinandersetzung mit der spezifisch aschkenasischen Tradition, die Religion und ihre kanonischen Texte fundiert in der Umgangssprache (dem Jiddischen) zugänglich zu machen, fehlt bei ihr. Dem entspricht auch, daß sie in der zionistischen Bewegung engagiert war und gleich nach der Promotion nach Palästina emigrierte. Dort bzw. später in Israel unterrichtete sie an verschiedenen Hochschulen, u.a. am Mizrachi Teachers Seminary in Tel Aviv, wo sie 1968 auch zur Professorin an der Universität ernannt wurde. Ihr Arbeitsgebiet war die Bibelexegese, die sie auch in populären Publikationen und nicht zuletzt in Radiosendungen betrieb. 1956 erhielt sie in Israel einen Preis für ihre Leistungen im Bildungswesen. Seit 1968 erschienen ihre Bibelauslegungen in Israel im Druck, getrennt für die verschiedenen Bücher der Torah (in Ivrit, zum Teil auch in englischer Übersetzung).

Q: V; E/J 2006; Jewish Women's Archive, s. http://jwa.org/encyclopedia/article/leibowitz-nehama (abgerufen am 18. Juli 2013).



[1] Halle: Karras/Kröber/Nitschmann 1930, auch in: Beitr. z. Gesch. dt. Spr. u. Lit. 55/1930.

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