Kahane, Renée

(geb. Toole)[1]

Geb. 9.12.1907 in Argostolion/Griechenland (auf Kephalonia, einer der Jonischen Inseln, westlich vom Festland), gest. 10.12.2002 in Chicago.

 

K. studierte in Berlin Romanistik, wie Henry K. bei Gamillscheg, worüber sie sich kennenlernten; 1931 heirateten sie (wodurch K. österreichische Staatsbürgerin wurde), nachdem K. 1931 mit der Dis­sertation: »Wortgeschichtliche Studien toupin und bronze« promoviert hatte. Die Ar­beit wurde (wie die von Henry K.) von Gamillscheg in seiner »Haus«-Reihe »Berliner Beiträge zur Romanischen Philologie« veröffentlicht.[2] Als onomasiologische Studie zu den Bezeichnungen für den Kochtopf (auf der Basis mundartlichen Materials, primär des ALF, sowie von ausführ­lich exzerpierten Mundartwörterbüchern und regionalen Quellen) trägt die Arbeit das Gepräge von Gamillschegs Leitfrage der Romania Ger­manica (toupin führt sie etymologisch auf germanisch TOP[F] zurück). Dem Lehrer Gamillscheg stattet die Arbeit auch emphatisch Dank ab. Ihr späteres Werk ist von dem Henry K.s nicht zu tren­nen, da fast das gesamte Œuvre unter gemeinsamem Namen publiziert ist. Die bei Henry K. erwähnte »Feldforschung« fand vor allem von ihrem elterlichen Haus in Argostolion aus statt und erfaßte so insbesondere die Dialekte der jonischen Inseln.

Während der Emigrationszeit in Italien hatte K. ein Lektorat für Neugriechisch an der Universität Florenz (1933-1936). 1931 hatte sie zunächst die österreichische, 1945 dann die US-amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. Zu den wenigen nicht mit Henry K. gemeinsam publizierten Arbeiten gehören die frühe Studie von1938 »Italienische Marinewörter im Neugriechischen«[3] sowie eine gemeinsame Arbeit mit der Ehefrau von Y. Malkiel, Maria Rosa Lida, als Resultat von deren Gastdozentur in Urbana 1959-1960: »Doña Angelina de Grecia«,[4] eine Analyse der biographischen Hinweise zu dieser pittoresken Figur des 15. Jhdts., die in der zeitgenössischen spanischen Literatur ihre Spuren hinterlassen hat, die wortgeschichtliche Ausflüge ins Griechische, Slawische, Ungarische, Deutsche und Türkische erforderlich machen, also den großen Kahaneschen Kulturraum im weitesten Sinne ausmessen.

Nach dem Tod von Henry K. hat sie das gemeinsame Büro in der Universität nicht mehr betreten und nicht mehr publiziert – das symbiotische Arbeitsprojekt mit ihrem Mann überlebte sie offensichtlich nur noch physisch (s. Kachru, Q).

Q: S. bei H. Kahane, bes. auch den Nachruf von Kachru (2005); Gespräche mit R. K.

 


 

[1] Die Eltern waren griechisch-irischer Herkunft, daher der Name.

[2] Als Heft 4 des Bd. 3 , Jena/Leipzig: Gronau 1934.

 

[3] In: A. Rom. 22/1938, H. 4.

[4] In: Nueva revista de filologia hispanica 14/1960: 89-97.