Imelmann, Rudolf

 

Geb.31.1.1879 in Berlin, gest.17.3.1945 in London.

Studium der Anglistik in Berlin, Jena u. Freiburg; fortgeführt in Bonn, dort wohl auch ergänzt um Keltistik. Promotion 1902 in Berlin bei Brandl über einen altenglischen liturgischen Text »Menologium«; Habilitation in Bonn 1905. Die Habilitationsschrift »Laʒamon.[1] Versuch über seine Quellen«[2] bemüht sich um den Nachweis, daß Layamons großer Roman »Brut« (12. Jhd.), der die primäre Quelle für die später blühende Artus-Epik ist, nicht auf genuin »britische« (d.h. keltische) Vorlagen zurückgeht, sondern als Ausarbeitung einer altfranzösischen (»anglo-normannischen«) Vorlage zu sehen ist. Den formalen Nachweis führt er über eine Analyse vor allem der Personennamen, die in ihrer phonographischen Struktur auf keine Kenntnisse des Keltischen, hier: Kymrischen, schließen lassen, wohl aber durch eine anglo-normannische Vermittlung erklärbar sind. Ergänzt wird diese Analyse durch die sorgfältige diplomatische Edition eines anglo-normannischen Textfragmentes. Die so deutlichen sprachanalytischen Interessen zeigen sich in seinen weiteren Werken noch in Arbeiten zur Metrik bzw. Poetik. Der Schwerpunkt liegt bei ihm aber bei literaturgeschichtlichen Arbeiten, auch Texteditionen, mit einem Schwerpunkt bei Shakespeare.

Nach der Habilitation ging er 1918 nach Rostock, wo er zum a.o. Prof. ernannt wurde, 1922 zum o. Prof. für englische Philologie. 1929 wurde er auf den mit jüdischen Stiftungsgeldern geschaffenen anglistischen Lehrstuhl der Universität Frankfurt berufen. Aufgrund von Querelen in der Fakultät reichte er selbst bereits im April 1933 einen Antrag auf Emeritierung ein, wurde dann im Mai 1933 aber aus rassistischen Gründen entlassen. Familiär war er über seine englische Frau mit Finanzkreisen verbunden, und so versuchte er sich nach der Entlassung als Devisenhändler (offensichtlich ohne großen Erfolg) und hielt sich dazu auch mit Genehmigung der deutschen Behörden öfters in England auf, wohin er schließlich 1939 ausreiste. Durch den Krieg war ihm eine Rückkehr nach Deutschland nicht mehr möglich.

Wissenschaftlich hat er später nicht mehr weitergearbeitet. Zuletzt lebte er von der Unterstützung seiner englisch-irischen Verwandtschaft und verstarb noch vor Kriegsende.

Q: LdS: unplaced; Haenicke 1981; Hausmann 2003; DBE 2005.



[1] Moderne Schreibweise: Layamon.

[2] Berlin: Weidmann 1906.

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