Homberger, Conrad (Konrad) Paul

Geb. 12.10.1900 in München, gest. 1.6.1982.

 

Nach der Schulzeit war er seit 1918 bei der Wehr­macht tätig, 1919-1920 als »Zeitfreiwilliger«. 1919-1924 Jurastudium in Erlangen und München, 1924 mit Promotion abgeschlossen.[1] Daneben Studium der Theaterwissenschaft in München, in Verbindung mit ei­genen schauspielerischen Aktivitäten. Von 1927 bis 1936 praktizierte er als Rechtsanwalt in München, als »Nicht-Arier« zunächst noch durch seinen Status als Weltkriegsveteran und mit persönlicher Protektion seines Schulfreundes Hans Frank (dem bayr. Justizminister) geschützt, aber zunehmend von Klienten boykottiert. 1936 emigrierte er nach Italien, wo er in Mailand und Bologna Sprachunterricht an Berlitz-Schulen gab. 1940-1941 wurde er inter­niert, dann Emigration in die USA, wo er sich mit verschiedenen Jobs (Nachtportier, Eisenbahnarbeiter) am Leben hielt. Mit Unter­stützung katholischer Hilfsorganisationen erhielt er 1942/1943 eine Unterrichtsstelle für Latein, Deutsch und Spanisch an einem Col­lege in Missouri. Zugleich nahm er von 1942-1944 ein Studium der Sprachwissenschaft in Harvard auf. 1943/1944 unterrichtete er im Sprachprogramm der US-Armee. Zeitweise war er auch an deutschsprachigen journalistischen Projekten beteiligt, in der Hauptsache aber von 1944-1949 an verschiedenen Schulen Lehrer für Deutsch, Latein und Spanisch. Seit 1946 in New York, wo er 1948 ein weiteres Studium der Politologie an der Columbia Univ. aufnahm. Seit 1948 unter­richtete er (ebenso wie Rechtschaffen) Sprachwissenschaft und moderne Sprachen am Brooklyn Polytechnic Institute in New York (1955 as­sist. Prof., 1958 assoc. Prof., 1964 o. Prof., 1969 emeritiert).

Entsprechend seiner lebensgeschichtlich erzwungenen Beschäftigung mit dem Sprachunterricht hatte er Probleme des Fremdsprachunter­richts zu seinem wissenschaftlichen Anliegen gemacht und eine Reihe von Lehrwerken zum Deutschen und Spanischen verfaßt (insbesondere in Zu­sammenarbeit mit Rechtschaffen): so [mit J. F. Ebelke] einen Grundkurs »Foundation Course in German«,[2] der zwar i. S. einer »angelehnten Methode« auf der Basis einer Textanthologie aufgebaut ist, dabei aber in einer strikten grammatischen Progression verfährt; darauf aufbauend noch »Rückschau und Fortschritt. A continuation course in German«,[3] der eine recht umfassend zusammengestellte Anthologie literarischer, philosophischer und sozialwissenschaftlicher Texte enthält (u.a. auch von Karl Marx), in einem Anhang die grammatischen Grundlagen für den Umgang mit solchen schwierigeren und kompakteren Texten, gerade auch naturwissenschaftlicher Art, erläutert. Darüber hinaus legte er weitere Textsammlungen vor, die entsprechend seinen früheren Vorlieben bes. auf das moderne Thea­ter in München eingehen. Seinen weitgefächerten Interessen (und seiner Tätigkeit an einer technischen Hochschule) entspricht es, daß er sich vor allem auch mit fachsprachlichen Problemen befaßt hat und Lehrbücher jeweils für naturwissenschaftliches und geistes- und sozialwissenschaftliches Deutsch verfaßte, so u.a. [gemeinsam mit B. Rechtschaffen] »German for research: humanities and social sciences«,[4] das wiederum eine Textanthologie enthält mit einem Anhang zu den grammatischen Strukturen derartiger komplexer Texte. Ebenfalls mit B. Rechtschaffen verfaßte er das »Monarch English-German, German-English phonetic dictionary«,[5] das konsequent auf einen kontrastiven Unterricht bzw. kontrastive Lehr-/Lernmethoden angelegt ist, angefangen bei spiegelverkehrt englisch verfaßten Erläuterungen zum Deutschen (zur Grammatik, aber auch touristische Hinweise) und deutsch verfaßten Anmerkungen zum Englischen, bis hin zu der eigenwilligen Transkription des Deutschen auf der Basis der englischen Orthographie (z.B. Arbeitsplatz als AHRRbijtsplahts).

Seine Verbin­dung zu Deutschland erhielt er aufrecht: 1961 erschien in München seine deutsche Übersetzung von Sapirs »Language«; in den letzten Jahren hatte er seinen Wohnsitz in Österreich (in der Nähe von Salzburg); seit 1945 war er aber US-Staatsbürger.

Q: BHE; DAS; Unterlagen im Archiv d. IfZ, Mün­chen.

 



[1] Die Dissertation »Die Übersetzung im Urheberrecht«, masch.schriftl. Erlangen, vorgelegt am 15.10.1924, war nicht zugänglich; sie wurde offensichtlich auch nicht im Auszug gedruckt.

[2] Boston: Heath & Co, ²1964.

[3] Boston: Heath & Co 1969.

[4] New York: Random House 1973.

[5] New York: Signet 1964.