Herzog, David

<Geb. 7.11.1869 in Tyrnau (damals Österr.-Ungarn, heute Trnava/Slowakei), gest. 6.3.1946 in Oxford.

 

Nach der Matura 1889 in Tyrnau Studium der Semitistik in Berlin und Leipzig, 1894 Promotion. Parallel dazu in Berlin eine Rabbinerausbildung, ebenfalls 1894 abgeschlossen. Als Rabbiner auf verschiedenen Stellen in Österr.-Ungarn tätig, schließlich in Prag, wo er an der Universität seine semitistische Ausbildung fortsetzte und 1901 habilitierte. 1908 übernahm er eine Rabbiner-Stelle in Graz, wohin er sich umhabilitieren ließ und an der Universität in der Semitistik lehrte (neben seinen hauptamtlichen Rabbinertätigkeiten, darunter u.a. auch der mosaische Religionsunterricht an Schulen). Zu seinen Lehrgegenständen gehörten neben den religiös wichtigen Quellen und Einführungen in die älteren semitischen Sprachen auch neuere dialektale Varietäten, z.B. das maghrebinische Arabische. Er publizierte kleinere textphilologische Arbeiten zu hebräischen Schriften sowie verbunden mit der Edition zu lokalen jüdischen Quellen (Urkunden, Inschriften u. dgl.). 1938 wurde er Opfer des Pogroms in Graz, was er wie auch die vorausgehenden antisemitischen Repressionen in seiner Autobiographie (Q) ausführlich beschreibt. Bei dem Pogrom sind ihm größere Manuskripte, die er in der Autobiographie anführt, weggenommen bzw. vernichtet worden. Im weiteren Sinne ist er zu den Sprachforschern zu rechnen.

 

Nach dem Pogrom wanderte er über die Niederlande nach England aus, wo er mit einem Stipendium seine Studien in Oxford noch weiterführen konnte und auch noch publizierte.

Q: W. Höflechner/A. Schweiger (Hgg.), »D. H. – Erinnerungen eines Rabbiners, 1932-1940«, Graz: Akadem. Druck- u. Verlagsanstalt 1995; mit Schriftenverzeichnis (S. xxvi -xxvii) und Biographie.