Hecht, Hans 

Geb. 16.7.1876 in Mannheim, gest. 8.2.1946 in Berlin (Ost).

 

Nach dem Abitur 1894 Studium zunächst der Geschichte in Oxford, dann in Heidelberg und Berlin mit dem Schwerpunkt Englische Philologie. 1900 Promotion in Berlin, danach Dienst als einjähriger Freiwilliger, 1901-1902 erneut zu einem Studienaufenthalt in England, dann nach Bern, wo er 1905 habilitierte. 1909 wurde er außerordentlicher Professor der Anglistik in Basel, 1911 persönlicher Ordinarius, ab 1912 Lehrstuhl in Basel. Zwar war er nicht im deutschen Reichsgebiet kriegsverpflichtet, kehrte aber aufgrund seiner deutsch-nationalen Gesinnung im Ersten Weltkrieg zurück und leistete 1914 bis 1918 den Militärdienst (mit Auszeichnungen). 1919 kehrte er nach Basel zurück, 1922 Berufung nach Göttingen.

Obwohl er offen als Parteigänger des Regimes aufgetreten war, wurde er schon seit 1933 rassistisch schikaniert und in der Selbstverwaltung eingeschränkt. Seit 1934 wurde auch am Seminar direkt gegen ihn rassistisch gehetzt, sodaß er, obwohl als Frontkämpfer zunächst noch formal geschützt, 1935 seine vorzeitige Emeritierung beantragte und entlassen wurde. Sein Versuch, wieder an die Universität Basel zurückzukehren, scheiterte, ebenso seine mehrfachen Versuche 1938 bis 1941 eine Gastprofessur in den USA oder in England zu erhalten: die politische Genehmigung lag wohl vor, die Auswanderung scheiterte an Devisenproblemen, aber wohl auch an H.s Ambivalenz, der auf seine »Rehabilitierung« setzte.[1] H. zog vielmehr nach Berlin, wo er geschützt durch seine Ehe mit einer »Arierin« im Reich überleben konnte. Er bemühte sich sogar wiederholt, bei der Wehrmacht im Kriegsdienst aktiviert zu werden; vermutlich war er auch in deren Pressedienst aktiv. 1946 initiierte die Göttinger Anglistik eine Rehabilitierung H.s, der aber vorher an einer Verletzung verstarb.

H.s Publikationen sind literaturwissenschaftlich orientiert; dazu gehören aber auch Editionen, in denen er ein traditionelles sprachwissenschaftliches Handwerk praktizierte. Das gilt insbesondere für »Bischof Waerferth’s von Worcester Übersetzung der Dialoge Gregor des Großen über das Leben und die Wunderthaten italienischer Väter und über die Unsterblichkeit der Seelen (aus dem Nachlaß von J. Zupitza)«,[2] woraus er den sprachwissenschaftlichen Abschnitt als Dissertation vorgelegt hatte. H. edierte dort diplomatisch in synoptischer Form zwei der in Oxford erhaltenen altenglischen Handschriften (zwei weitere werden als Lesarten im Apparat nachgewiesen). Bei der Edition bemühte er sich, die vokalischen Quantitäten zu differenzieren und wertete dazu die »Akzent«markierungen in den Handschriften aus (S. 350-374). In späteren Veröffentlichungen zu jüngeren (direkter lesbaren) Texten fehlen solche sprachanalytischen Teile, so insbesondere in der bibliophilen Edition »Songs from David Herd’s Manuscripts«,[3] mit der er vermutlich in Bern habilitierte (s. Haenicke, Q). Es handelt sich um eine Edition einer poetischen Textsammlung des schottischen romantischen Literaten D. Herd (1732-1819). H.s eigener Beitrag besteht aus literaturgeschichtlichen Erläuterungen zu den versammelten Texten. Ebenso fehlen sprachanalytische Ausführungen in seinem Einführungskurs »Das elisabethanische Drama bis Shakespeare«.[4]

Q: LdS: unplaced; Haenicke/Finkenstaedt; Hausmann 2003; Szabó.



[1] So noch in einem Schreiben 1938 an den Kurator der Universität Göttingen, s. Szabó.

[2] Leipzig: Wigand 1900.

[3] Edinburgh: Hay 1904.

[4] In: M. Wolff (Hg.), »Shakespeares Werke«, Bd. 22, Leipzig: Insel 1925.