Hamburger, Käte

Geb. 21.9.1896 in Hamburg, gest. 8.4.1992 in Stuttgart.

 

Externes Abitur in Hamburg 1917, nachdem sie dort eine vom »Verein für Frauenbildung und Frauenstudium« getragene Schule besucht hatte. Im gleichen Jahr noch Beginn des Studiums der Philosophie (u.a. bei Cassirer), Germanistik und Geschichte an den Universitäten in Berlin und München. Promotion in München 1922. Nach der Promotion lebte sie als Buchhändlerin in Hamburg. 1928 beschäftigte der Berliner Philosoph Paul Hofmann sie als seine »Privatassistentin«.[1] Ihre Versuche, regulär im akademischen Feld Fuß zu fassen, scheiterten. Dazu gehörte auch der Versuch einer literaturwissenschaftlichen Habilitation in der Germanistik 1932 bei Unger[2] in Göttingen.

H. kam aus einer reformierten jüdischen Familie. Unter dem Eindruck der rassistischen Politik ging sie 1933 nach Dijon, in der Hoffnung, dort eine Lektorenstelle an der Universität zu erhalten. Über die dabei entstandenen persönlichen Kontakte emigrierte sie 1933 weiter nach Schweden (s. Koelbl, Q), wo sie in Göteborg von der jüdischen Gemeinde unterstützt wurde und von unterschiedlichen Jobs, vor allem auch von deutschem Sprachunterricht lebte. Ihre Versuche, an der Universität Göteborg eine Anstellung zu finden, scheiterten (trotz der Unterstützung z.B. von Cassirer). Später nahm sie die schwedische Staatsbürgerschaft an. Erst 1956 kehrte sie nach Deutschland zurück, behielt aber die schwedische Staatsbürgerschaft bei. Die Initiative zu ihrer Rückkehr ging ausgerechnet auf den nationalsozialistisch belasteten Germanisten Fritz Martini zurück,[3] der damit vielleicht einen Akt der Wiedergutmachung versuchte. Es hatte mehrere Versuche gegeben, sie bei ihrem Bemühen, nach Deutschland zurückzukehren, zu unterstützen, die aber offensichtlich an ihrer Forderung scheiterten, ihre Tätigkeit vor dem Krieg in Deutschland anzurechnen.[4] Martini verschaffte ihr 1956 eine Dozentur an der Universität Stuttgart, wo sie 1957 auch habilitieren konnte. Sie erhielt aber keinen Lehrstuhl mehr, obwohl sie in den späteren Jahren als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Literaturwissenschaftlerinnen gefeiert wurde (und wiederholt auch zu Gastprofessuren in die USA eingeladen wurde).

Ihr wissenschaftliches Werk ist bestimmt durch die Verbindung von sprachtheoretischen und philosophischen Fragen. Ihre literaturwissenschaftliche Fragestellung definiert sie als Frage nach den Bedingungen für Dichtung als sprachliches Kunstwerk. Sie entwickelt sie vorzugsweise in der Auseinandersetzung mit einigen von ihr favorisierten Dichtern, vor allem solchen, die selbst wiederum eine Affinität zu philosophischen Themen haben, wie z.B. Schiller, den sie schon in ihrer Dissertation behandelte: »Schillers Analyse des Menschen als Grundlegung zu seiner Geschichts- und Kulturphilosophie. Ein Beitrag zum Problem des Individualismus (Dargestellt auf Grund seiner philosophischen Schriften)«.[5]

Sie richtet sich hier gegen die damals üblichen Versuche, Schiller der Aufklärungsphilosophie zu subsumieren, und bemüht sich auf der Grundlage umfangreich zusammengestellter Exzerpte aus Schillers Werken um eine differenziertere philosophiegeschichtliche Einordnung. Sprachanalytische Ansätze fehlen hier noch ganz, auch da, wo sie sich z.B. auf Humboldt bezieht, bzw. auf dessen Briefwechsel mit Schiller (z.B. S. 55, 61, 74-75, 86 ...). Ein wichtiger Bezugsautor war für sie Thomas Mann, über den sie schon vor ihrer Emigration arbeitete und mit dem sie zeitlebens auch in einem relativ engen brieflichen Kontakt stand. In ihrer schwedischen Exilzeit und auch noch in den Jahren danach veröffentlichte sie auf schwedisch Bücher über Thomas Mann, Rilke, Schiller und auch zu nicht-deutschen Autoren wie Tolstoj. Ihr letztes, 1989 veröffentlichtes monographisches Werk war einem norwegischen Autor, Ibsen, gewidmet.

H. war vor der Emigration in erster Linie Philosophin. Von ihrem phänomenologischen Mentor Paul Hofmann veröffentlichte sie später noch eine Kompilation aus dem Nachlaß, die sein Werk vorstellt.[6] 1927 publizierte sie (als geistige Testamentvollstreckerin) das nachgelassene Werk »System und Methode in Hegels Philosophie« von Betty Heimann.[7] Auch bei ihren späteren Arbeiten sind neuere philosophische Richtungen immer präsent, die sie gerne in einer Art Spiegelbeziehung zu literarischen Positionen darstellt.[8]

Ausschlaggebend für ihre explizite sprachanalytische Arbeit waren die Zwänge des Exils. Den Sprachunterricht im Deutschen (mit erwachsenen Sprachlernern ohne größere Vorbildung) verband sie mit dem eigenen Erlernen des Schwedischen, und über ihre spontan entwickelte kontrastive Unterrichtsmethode kam sie zu einer systematischen Sprach-(bzw. Grammatik-)Reflexion, wie sie selbst in der autobiographischen Rückschau zur Ehrenpromotion 1980 ausführt (dort S. 38-39). In einer bemerkenswert differenzierten Reflexion ihrer Erfahrungen wird ihre analytische Position deutlich (»Über Erfahrungen im Deutschunterricht an unvorgebildete Erwachsene«);[9] für sie verlangen gerade auch solche Lerner nach Sicherheit, die nur über eine grammatische Reflexion (nicht über reines Üben) vermittelt werden kann – wobei die metasprachliche Reflexion zwangsläufig auch kontrastiv mit dem intuitiven Wissen in der Erstsprache abgeglichen werden muß.

In der germanistischen Szene des Nachkriegsdeutschlands präsentierte sie sich mit explizit sprachanalytischen Arbeiten, etwa der Studie über »Das epische Präteritum«,[10] wo sie im expliziten Rückgriff auf Bühler die Funktion grammatischer Formen aus dem »Symbolfeld der Sprache« entwickelt, und hier insbesondere grammatische Kategorien wie Tempus von »realistisch« verstandenen wie der Zeit unterscheidet. Durchaus in Entsprechung zu den Ansätzen von Reichenbach führt sie gegenüber den Polen der Gesprächssituation und der erzählten Ereigniszeit eine dritte Perspektive ein, die in den neueren Tempusarbeiten im Anschluß an Reichenbach Betrachtzeit genannt wird. An einer ganzen Reihe von literarischen Beispielen macht sie deutlich, daß diese Texte bei einer »realistischen« Interpretation der Tempusformen schlichtweg nicht verständlich sind. Dieser Aufweis kontrastiert eindrucksvoll mit dem Unverständnis ihrer literaturwissenschaftlichen Kritiker, die mit der »Einfühlung« in die Texte und dem, »was die Autoren darin sagen wollen«, operieren; als Negativfolie ihrer Analyse präsentiert sie das ausführlich in den Anmerkungen.

1956 präsentierte sie in Stuttgart, wohin sie inzwischen wohl schon den Ruf erhalten hatte, eine zusammenfassende Darstellung als Habilitationsschrift, die in der Sekundärliteratur als ihr Hauptwerk angesprochen wird: »Die Logik der Dichtung«.[11] Dort kommt sie zu einer Modellierung der Dichtung generell, dann in einer feinkörnigeren Modellierung zu den verschiedenen Gattungen, bei denen sie ganz selbstverständlich methodische Verfahren der Sprachwissenschaft einsetzt, bemerkenswerterweise gerade auch solche der neueren deskriptiven »Linguistik« (einer ihrer Bezugsautoren ist Hjelmslev). Primäre Bezugspunkte für ihre ausdrücklich als sprachtheoretisch verstandene Modellierung sind Husserl und Bühler.

Dichtung ist für sie nichts ganz anderes als Sprache, sondern ein spezifisch anderer Umgang mit Sprache, als er im alltäglichen Sprachhandeln stattfindet. Daraus folgt für sie, daß die Strukturen der Alltagssprache bei der Dichtungsanalyse systematisch vorausgesetzt werden und dort als solche auch expliziert werden müssen. Tatsächlich ist ihr Herangehen eine Erweiterung von entsprechenden Überlegungen bei Hjelmslev, der in der gleichen Weise schon spezifische sprachliche Formen des Umgangs mit Sprache wie die Konnotation als eine Zeichenpraktik expliziert hat, die einfache Zeichenpraktiken (denotative Strukturen) denotiert. Entsprechend argumentiert sie, daß die Dichtung keineswegs die alltagssprachlichen Strukturen suspendiert, sondern vielmehr auf diese (im Sinne der intentionalen Akte von Husserl) gerichtet ist (explizit so S. 222).

So kann sie in Detailanalysen zeigen, daß zwar die strukturellen Bedingungen sprachlichen Handelns nicht gelten, wenn man dichterische Texte unmittelbar auf den Akt des Lesens (mit dem Leser als Adressaten) bezieht, daß sie aber innerhalb des fiktiven Sprachraums vorausgesetzt werden, der mit dichterischen Texten aufgespannt wird. Sie zeigt das sehr konsequent an verschiedenen strukturellen Bindungen, die vordergründig von dichterischen Texten verletzt werden, wobei diese Verletzungen aber ihrerseits wiederum als Signale für den Leser fungieren, die ihm zeigen, daß es sich um dichterische Texte handelt, in denen diese Strukturen nun als funktionierend vorausgesetzt werden. Das Mittel zur methodischen Kontrolle sind für H. Transformationen solcher fiktionaler Textpassagen, die sie strukturell in alltägliche Texte: Berichte, Mitteilungen u. dergl. ummodelt, um so das Spezifische der dichterischen Sprachform deutlich zu machen. Mit einem solchen operativen Vorgehen partizipierte sie an der strukturalen Neubegründung der Sprachwissenschaft im 20. Jahrhundert – und stellte sich gegen die »geistesgeschichtliche« Orientierung vor allem der deutschen Literaturwissenschaft.

Mit einigen der entsprechenden methodischen Abschnitte ist sie nun auch für die jüngere sprachwissenschaftliche Diskussion eine zentrale Bezugsquelle geworden. Das gilt so insbesondere für ihr Tempuskapitel (S. 59f.), mit dem sie sehr systematisch eher punktuell-assoziative Überlegungen früherer Stilanalysen (vor allem zur »erlebten Rede«) aufnimmt und dabei z.T. auch in expliziter Auseinandersetzung mit Autoren wie Lerch (z.B. S. 74f.) argumentiert. Methodisch operiert sie mit dem Aufweis von kontextuellen Restriktionsverletzungen, so wenn das Präteritum im dichterischen Text mit Zeitadverbien verknüpfbar ist, die »alltagssprachlich« einen Vergangenheitsbezug ausschließen (»heute Abend wollte der König Flöte spielen ...«, vgl. S. 65 u.ö.). Ihre Analysen sind hier sehr detailliert, sehr genau an Selektionsbeschränkungen ausgerichtet, die gerade in diesem Kapitel den Verbalcharakter der jeweiligen Prädikate ausloten, etwa bei Verben, die in einem Nahbereich der Origo des Sprechaktes interpretiert werden müssen (sie operiert explizit mit den Bühlerschen Kategorien), in solchen Texten aber mit beliebig rückdatierten Zeitangaben verträglich sind (vgl. S. 80f.).

Diese Analysen lösten heftige Auseinandersetzungen aus,[12] wobei sie auch in eine Polemik mit Sprachwissenschaftlern wie Harald Weinrich geraten ist, der mit seinem Buch über Tempus[13] für die neuere Diskussion anregend wurde. Bemerkenswerterweise wirft sie diesem (aufgrund ihres Vorgehens auch berechtigt) vor, daß er nicht konsequent genug seine operationalen Kriterien nutzt und nicht zwischen den unterschiedlichen »Textwelten« differenziert. Sie zieht diese Argumentation sehr systematisch für unterschiedliche grammatische Strukturbereiche durch, so insbesondere auch zu referenziellen Strukturen (Personalpronomina u. dgl.), die nicht in der Wirklichkeit des Lesers interpretiert werden können, sondern einen eigenen Referenzrahmen projizieren (eben den der Fiktion).

Dieses Insistieren auf dem Methodischen, das sie auch von der Logik der Dichtung als einer Frage dichterischer Technik sprechen läßt (vgl. S. 270), ist eine radikale Abgrenzung zu der Tradition dichterischer Wesensschau, die nicht zuletzt in der Zeit des Nationalsozialismus gepflegt wurde. H. stellte sich explizit in einen methodischen Horizont, der im internationalen Wissenschaftsdiskurs definiert ist. So expliziert sie ihre Analysen auch sehr konsequent im Zugriff auf Texte unterschiedlicher Sprachräume (denen der Antike der humanistischen Tradition ebenso wie denen des Englischen, Französischen oder eben des Deutschen, vgl. ähnlich bei Auerbach). Daß sie souverän mit unterschiedlichen sprachlichen Traditionen umgehen kann, die sie eben auch in ihren Differenzen einzuschätzen weiß, zeigt nicht zuletzt ihre Replik auf englischsprachige Kritiker, die ihre terminologischen Setzungen aufgrund »falscher sprachlicher Freunde« in der englischen Übersetzung mißverstanden haben (vgl. ihre Replik auf Wellek in dem Buch 1957 [1968], S. 194-195).

Es ist charakteristisch für den akademischen Verdrängungsdiskurs im Nachkriegsdeutschland, daß H. gerade nicht im Zusammenhang mit der strukturalen Sprachwissenschaft gesehen wurde, in dem sie mit ihrem Versuch zur Fortschreibung der Ansätze von Bühler und Husserl stand. Husserl blieb für sie bis zuletzt die primäre theoretische Autorität, die sie auch in ihrer letzten, postum veröffentlichten Arbeit herausstellt: »Theodor A. Meyers Sprachtheorie der Dichtung«.[14] In einer genauen Analyse dieses literaturwissenschaftlichen »Klassikers« von 1901, in dem sie zugleich auch einen Vorläufer ihres eigenen theoretischen Ansatzes sieht, macht sie zugleich deutlich, wie sehr der literaturwissenschaftliche Diskurs seitdem in einer sprachtheoretischen Trivialisierung bzw. Psychologisierung (die ja von Husserl ausdrücklich kritisiert worden war) verhaftet bleibt: statt wie dort eine Sprachvorstellung an der dichterischen Sprache gewissermaßen abzulesen, verlangt sie, zunächst einmal unabhängig sprachanalytische Grundkategorien an der »Alltagssprache« zu entwickeln, um auf dieser Folie dann eben die Besonderheiten der Sprache der Dichtung zu entwickeln, wie es, wie unzureichend auch immer, schon Meyer versucht hatte.

Indirekt macht sie damit deutlich, wie quer sie zu der germanistischen Literaturwissenschaft lag (und liegt?), s. dazu auch die Diskussion bei Dane (2000, Q). Schon dadurch, daß H. in der Rezeption ausschließlich auf Literaturwissenschaft festgelegt wurde, wurde zugleich die Auseinandersetzung mit der verdrängten Vergangenheit der germanistischen Sprachwissenschaft vermieden. Die Festschriften für H. machen das sehr deutlich, angefangen bei Fritz Martini als Herausgeber der 1971 erschienenen Festschrift.[15] Von Martini war kein Hinweis auf solche sprachwissenschaftliche Zusammenhänge zu erwarten;[16] aber auch in der 1981 erschienenen Festschrift waren nur literaturgeschichtliche, literaturwissenschaftlich orientierte mediävistische und buchkundliche Beiträge versammelt,[17] ebenso in der 1986 erschienenen Festschrift.[18]

Diese Rezeption steht bemerkenswert quer zu der Art, wie H. sich selbst präsentierte, etwa in den von U. Müller herausgegebenen, aber von H. selbst zusammengestellten »Kleinen Schriften«,[19] bei denen die sprachanalytischen Ansätze mehr als deutlich sind. Der einleitende Aufsatz bietet eine Wortgeschichte von Dichtung (S. 3-17), die zu einer poetologischen Klärung dieser zentralen Kategorie der Literaturwissenschaft führen soll und den Terminus und Begriff in Abgrenzung zu umfassenderen Begriffen in den Nachbarsprachen (besonders Literatur) klärt. Dabei zeigt sie, daß hier nicht wertende Kategorien grundlegend sind, wie es in der deutschsprachigen Literaturwissenschaft dominant war (ist?), sondern vielmehr das formale Kriterium der intentionalen Gerichtetheit auf die sprachliche Form, wiederum eine analytische Fortführung Husserlscher Kategorien.[20] Auch in dieser Aufsatzsammlung macht sie wieder deutlich, daß für sie die Horizontbeschränkung der germanistischen Literaturwissenschaft nicht gilt. Zu den eindrücklichsten, weil formal sehr genau gearbeiteten, Analysen gehört dort eine Studie zur Erzählform bei Lawrence Sterne (S. 95-109), die an der Gesprächsform der Darstellung im »Tristram Shandy« ansetzt und die Verwendung gesprächssituationsgebundener Formen (Verben, Pronomina u. dgl.) auswertet.

Auch ihre letzte theoretische Monographie »Das Mitleid«[21] bemüht sich im Rückgang auf eine wortgeschichtliche Untersuchung um eine Klärung dieser für die Literaturinterpretation zentralen Kategorie, auch hier wieder in einer sorgfältigen Abgrenzung der spezifischen an die deutsche Sprache gebundenen Bedeutungsentwicklungen im Kontrast zu denen der Nachbarsprachen und der im europäischen kulturellen Verbund stattgefundenen wechselseitigen Beeinflussungen. Auch hier steht für sie die analytische Arbeit gegen das Operieren mit ungeklärten projektiven Deutungsmustern, das bei diesem Begriff gewissermaßen nahe liegt.

Zu dieser Stoßrichtung gehört auch, daß für sie in den letzten Jahren zunehmend die Auseinandersetzung mit der Rolle des Judentums in der deutschen Literatur zum Thema wurde, im Vergleich der Situation vor und nach der Shoah.[22] Deutlichster Ausdruck dafür ist ihr Vortrag »Heine und das Judentum«,[23] in dem sie ihre eigenen biographischen Spannungen an Heine spiegelt: der Notwendigkeit, mit dem Widerspruch einer Gesellschaft leben zu müssen, als Teil von deren deutscher Kultur sie sich wie auch Heine versteht – die aber das Judentum jenseits aller objektiven Assimilationsprozesse als Figur rassistischer Ausschließung nutzt, so daß ihr, wie auch Heine, keine Wahl bleibt, als sich zu ihm zu bekennen.

In Hinblick auf ihre sprachanalytischen Arbeiten bleibt der Nachlaß auszuwerten, der im Literaturarchiv in Marbach liegt.[24] H. starb als Pflegefall in einer psychiatrischen Anstalt in Stuttgart.[25]

Eine Würdigung erfuhr H. inzwischen, indem das Bundesministerium für Bildung und Forschung die von ihm seit 2007 getragenen »Internationalen Kollegs für geisteswissenschaftliche Forschung« nach ihr (»Käthe Hamburger Kollegs«) benannt hat.

Q: BHE; B/J (W); Kürschner 1980; Boedeker/Meyer-Plath 1974; Autobiographisches und Schriftenverzeichnis in J. Janota/J. Kühnel (Hgg.), »Ehrenpromotion K. Hamburger am 26. Juni 1980«, Siegen: Universität 1980; Autobiographisches in: H. Koelbl, »Jüdische Portraits«, Frankfurt/M.: Fischer 1989: 108-112; J. Hering (Hg.), »K. H. Reden bei der akademischen Gedenkfeier der Universität Stuttgart für Frau Prof. Dr. phil. habil. K. H. 8. Dezember 1992«; Stuttgart: Scheufele 1993 (dort bes. die Würdigung von H. Mayer, S. 23-40); Nachruf von Beate Schmeichel-Falkenberg in: Nachrichtenbrief der deutschen Gesellschaft für Exilforschung v. Dezember 1996; G. Dane in Chr. König 2000: 189-198; IGL (G. Dane); DBE 2005.



[1] S. Dane 2000 (Q) – sie hatte vor ihrer Emigration entgegen dem meist zu Lesenden nie eine reguläre Stelle an einer Universität, was später einer der Hinderungsgründe für ihre Rückkehr nach Deutschland war, als sie entsprechende Ansprüche geltend machte.

[2] Rudolf Unger (1876-1942), philosophisch ausgerichteter Literaturwissenschafter, seit 1915 Professur in der Germanistik in Göttingen.

[3] Fritz Martini (1909-1991), Parteimitglied seit 1933, Habilitation 1939 in Hamburg, Professur für Ästhetik und allgemeine Literaturwissenschaft in Stuttgart 1943 bis zur Emeritierung 1974, s. IGL.

[4] S. Dane 2000 (Q).

[5] München: Univ. Diss. 1922 (maschinenschr.).

[6] »Paul Hofmann: Problem und Probleme einer Sinn-erforschenden Philosophie«, hg. v. K. H., Stuttgart: Klett-Cotta 1980.

[7] Leipzig: Meiner 1927. Die 1926 verstorbene Betty Heimann (geb. 1885 in Hamburg) hatte 1916 in Straßburg über Hegel promoviert.

[8] Das i. e. Sinne literaturwissenschaftliche Werk von K. H. stelle ich hier nicht dar, s. dazu die Würdigung von H. Kreuzer in der Schrift zu ihrer Ehrenpromotion 1980.

[9] In: Moderna Språk 33/1939: 81-90.

[10] Deutsche Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 27/1953: 329-357.

[11] 1. Aufl. Stuttgart: Klett 1957, Neubearbeitung 1968, 3. Aufl. Stuttgart: Klett 1987, zahlreiche Übersetzungen: ins Englische, (brasilianische) Portugiesische, Serbokroatische, Französische, Spanische, Japanische... Als Habilitationsschrift hatte das Werk den Titel »Das logische System der Dichtung«.

[12] S. die Diskussion in Euphorion 59/1965.

[13] H. Weinrich, »Tempus. Besprochene und erzählte Welt«, Stuttgart: Klett 1964, 2. Aufl. 1971.

[14] In: B. Bennett u.a. (Hgg.), »Probleme der Moderne« (FS Wolfgang Sokel), Tübingen: Niemeyer 1993: 165-183.

[15] »Probleme des Erzählens in der Weltliteratur« (hg. von Fritz Martini), Stuttgart: Klett 1971. Der einzige sprachanalytisch orientierte Beitrag dort stammt von Max Bense, der nun aber auch nicht als Sprachwissenschaftler anzusprechen ist.

[16] Nicht erstaunlich ist insofern das Fehlen sprachanalytischer Beiträge in der von K. H. gemeinsam mit H. Kreuzer hgg. Festschrift für F. Martini (»Gattungsgeschichte und Gesellschaftsgeschichte«, Stuttgart: Metzler 1969), in der sie selbst auch einen literaturwissenschaftlichen Beitrag veröffentlicht.

[17] »De poeticis medii aevi quaestiones« (hgg. von Josef Kühnel u.a.), Göppingen: Kümmerle 1981.

[18] H. Kreuzer/J. Kühnel (Hgg.), »K. H. Aufsätze und Gedichte zu ihren Themen und Thesen«, Siegen: Universität 1986.

[19] Stuttgart: Heinz 1976.

[20] Mit dieser Arbeit trifft sie sich mit den Bemühungen von Roman Jakobson, der in der gleichen Traditionslinie, aber sehr viel folgenreicher für die wissenschaftliche Diskussion, die gleiche Präzisierung poetischer Praxis in seinem einflußreichen Aufsatz »Linguistics and Poetics« entwickelt hatte (in Th. Sebeok [Hg.], »Style in Language«, Cambridge/Mass.: MIT 1960 ,71978: 350-377).

[21] Stuttgart: Klett-Cotta 1985.

[22] S. dazu wieder Dane 2000 (Q).

[23] Gehalten am 16.3.1982 vor der Württembergischen Bibliotheksgesellschaft in Stuttgart (publiziert Stuttgart: Scheufele 1982).

[24] S. den Bericht in den Nachrichten des Marbacher Arbeitskreises für die Geschichte der Germanistik 6/1994.

[25] Die neuere germanistische Diskussion um H.s Werke ist hier nicht mehr berücksichtigt, s. etwa in: R. Klausnitzer/ C. Spoerhase (Hg.), »Kontroversen in der Literaturtheorie - Literaturtheorie in der Kontroverse«. Bern usw.: Lang 2007.