Engel, Eduard

Geb. 12.11.1851 in Stolp (Pommern – heute Słupsk, Polen), gest. 23.11.1938 in Bornim (bei Potsdam).

 

Philologisches Studium in Berlin, 1874 Promotion in Rostock (mit einer Dissertation zur altfranzösischen Syntax). Reichstagsstenograph von 1871-1904. In Verbindung damit wurde ihm 1903 der Titel eines Professors verliehen – ohne Anbindung an eine Universität. E stammte aus einer jüdischen Familie, war selbst aber ohne religiöse Bindung. Nach 1933 wurde er Opfer der rassistischen Verfolgung: zwar war er persönlich durch die Ehe mit einer »Arierin« geschützt, hatte aber keinerlei Einkünfte mehr. Die Pension und die Buchhonorare wurden nicht mehr gezahlt, sodaß er verarmt starb.

Er betrieb eine umfangreiche publizistische Tätigkeit, vor allem im Feld der Sprachpflege, wo seine Stilbücher auch nach 1945 fortgeschrieben wurden; daneben auch auflagenstarke Literaturgeschichten (außer zur deutschen zur französischen und englischen). Seine Arbeiten zum (Neu-) Griechischen führten dazu, daß er für dieses auch am (außeruniversitären) Seminar für orientalische Sprachen in Berlin als Prüfer tätig war. Notorisch sind vor allem seine Aktivitäten als »Sprachreiniger«, der mit zahlreichen (oft sehr polemischen) Schriften gegen Fremdworte im Deutschen auftrat (besonderes für eine »Entwelschung«), was ihn auch zeitgenössisch schon Angriffen von Sprachwissenschaftlern aussetzte (s. bei Lerch). Trotz nationalistischer Obertöne argumentierte er ansatzweise funktional, mit Kriterien der (ggf. eingeschränkten) Verständlichkeit. Insofern gehört E. in das Feld der »unmittelbaren« Sprachforschung, am Rande der disziplinär ausdifferenzierten Sprachwissenschaft.

An den Repressionen, denen er nach 1933 ausgesetzt war, lassen die diskursiven Probleme im völkischen Feld ablesen, sich mit dem Regime zu arrangieren. Dazu gehört vor allem der Deutsche Sprachverein (1885 gegründet), der E 1934 aufgrund seiner Verdienste um die Sprachreinigung noch zum Ehrenmitglied ernannt hatte. Nach den "Nürnberger Gesetzen" mußte auch hier die rassistische Abgrenzung vollzogen werden, wozu ein Artikel in seiner Zeitschrift "Muttersprache" 1937 diente [1],

in dem es heißt, daß aus der jetzt geforderten "rassischen Haltung" zu sprachpolitischen Fragen der "deutsch redende Jude" E "nicht befugt" sei, zu diesen Stellung zu nehmen [2].

 

Q: A.Sauter, »E. E. – Literaturhistoriker, Stillehrer, Sprachreiniger: Ein Beitrag zur Geschichte des Purismus in Deutschland«,Bamberg: Collibri 2000 (mit ausführlicher Biographie und Schriftenverzeichnis).>


[1] B. Rehtmeyer, Fremdwort, Deutschheit und Schrifttumsgeschichte, in: Muttersprche 52/ 1937: Sp. 141 - 143.

[2] Die rein formal betrachtet an Absurdität kaum zu überbietende Argumentation ist als aufschlußreiches Symptom für diese Art des Mitspielens bei der Etablierung des faschistischen Regimes schon oft herausgestellt worden, wirkungsvoll vor allem von P. von Polenz, Sprachpurismus und Nationalsozialimus, in: E.Lämmert u.a., Germanistik - eine deutsche Wissenschaft. Frankfurt / M. : Suhrkamp 1967: 111- 165, bes. S. 116, 134-135.