Bräu, Hans Hermann

Geb. 2.4.1880 in Passau, gest. 2.8.1940 in St. Florian (Oberösterreich).

 

B. kam mit seiner Familie in der Schulzeit nach Linz, wo er 1900 die Reifeprüfung ablegte. Danach studierte er zunächst an der Universität Innsbruck klassische Philologie, seit 1903 daneben auch Theologie in St. Florian (bei Linz). 1908 wurde er zum Priester ordiniert. Er war danach in der Seelsorge, u. a. auch an der Front im Ersten Weltkrieg. Bereits während des Studiums hatte er mit dem Studium der Arabistik begonnen, für das er 1918 von der praktischen Seelsorge freigestellt wurde. Er schloß das Studium 1921 in Wien mit der Promotion ab und war im Anschluß daran als Dozent für Bibelstudien und semitische Sprachen am Stift St. Florian tätig. 1927 habilitierte er sich für arabische Philologie und Altertumskunde an der Universität Wien. Daneben war er weiterhin in der praktischen Seelsorge tätig. Die Dissertation »Die semitischen Personennamen« lag einem zweiteiligen Aufsatz »Die altnordarabischen kultischen Personennamen« zugrunde.[1]

Die Arbeit listet das belegte Personennamenmaterial der vorislamischen Zeit auf, wobei B. die Namenbildung als Ausdruck des Sprach- bzw. Volksgeist faßte, hier des semitischen (mit den nordarabischen Besonderheiten) im Gegensatz insbes. zum »arischen« (mit den semitisch fehlenden Möglichkeiten der Kompositabildung), S. 31-32. Er analysiert die semantischen Elemente (der in der Regel theophoren Namen) und ausführlich die Bildungsmuster. Sein Material gliedert er nach Typen, für die er die Belege mit etymologischen Erläuterungen aufführt, ausführlich etwa die zweigliedrigen Bildungen mit den Wurzeln √cbd, √tjm usw. Im Vordergrund stehen bei ihm aber eher völkerkundliche, z.T. recht stereotyp gehaltene Erklärungen, weniger formale sprachliche Analysen, obwohl er hebräische und aramäische Parallelformen anführt. Sein späteres Arbeitsfeld war die vorislamische altarabische Dichtung, die er vor allem auch lexikologisch bearbeitete (in Hinblick auf die dort geschätzten schwierigen Wörter, manieristische Anspielungen u. dgl.), s. etwa seine ausführlich annotierte Übersetzung einer solchen Dichtung bei den Banu Hudhail »Die Gedichte des Hudailiten Mulaib. al-akam«.[2] Auf diesem Gebiet galt er als Spezialist, wie sein Artikel über Vertreter dieser Dichtung in der Enzyklopädie des Islam zeigt. Unmittelbar nach dem Anschluß 1938 wurde ihm ohne Angabe von Gründen die Lehrbefugnis entzogen. Bis zu seinem Tod lebte und praktizierte er als Geistlicher weiterhin in St. Florian.

Q: Kowall (1983).



[1] 2 Teile, in: Wiener Z. für die Kunde des Morgenlandes 32/1925: 31-59; 85-115.

[2] 2 Teile, in: Z. f. Semitistik 5/1927: 69-94; 262-287.