Bar-Hillel, Jehoshua

 

(früher: Oskar Westreich)

Geb. 8.9.1915 Wien, gest. 25.9.1975 Jerusalem.

Die Familie zog nach dem 1. Weltkrieg von Wien nach Berlin, wo B.-H. im Frühjahr 1933 das Abitur machte. Er war in der zionistischen Jugendbewegung aktiv (Bnei Akiva, eine religiöse Organisation) und hatte die Auswanderung nach Palästina geplant, die er auch gleich nach dem Abitur unternahm; 1934 bis 1935 verbrachte er in einem Kibbuz. Danach studierte er Mathematik und Philosophie an der Hebräischen Universität Jerusalem. 1938 machte er seinen Magisterabschluß mit einer Arbeit zur formalen Logik; danach unterrichtete er an einem Gymnasium als Mathematiklehrer. Zugleich arbeitete er mit dem Mathematiker (Mengentheoretiker) A. Fraenkel, mit dem er bereits 1938 gemeinsam publizierte; später übernahm er mit diesem die Neubearbeitung von dessen »Foundations of Set Theory«.[1]

Von 1942 bis 1946 war er Soldat in der Jüdischen Brigade der englischen Armee, zunächst in Afrika im Einsatz gegen das deutsche Afrika-Corps, bei Kriegsende beim Vormarsch der Alliierten in Italien. Zurück in Palästina schloß er 1948 das Studium mit der Promotion ab, mit einer Dissertation über die logische Syntax (s. u.). Im gleichen Jahr nahm er an dem Unabhängigkeitskrieg von Palästina/Israel teil, wobei er in den Kämpfen um Jerusalem schwer verwundet wurde (er verlor ein Auge).

1950 ging er mit einem israelischen Stipendium in die USA, um seine Studien fortzusetzen, die er, angeregt vor allem von Z. Harris (1947 bei dessen Gastaufenthalt in Palästina) zunehmend jetzt auch in Auseinandersetzung mit den methodologischen (grammatiktheoretischen) Arbeiten der Sprachwissenschaft betrieb, zunächst noch orientiert an einer statistisch angelegten Modellierung, wie sie damals im amerikanischen Strukturalismus gängig war. Das änderte sich, als er in Chicago eng mit R. Carnap zusammenarbeitete, dessen »Logische Syntax der Sprache« (1938) er selbst als seine »Bibel« bezeichnete, mit dem er 1952-153 auch gemeinsam zur formalen Semantik publizierte. 1953 publizierte er in Language eine überarbeitete Version eines Kapitels seiner Dissertation »A quasi-arithmetical notation for syntactic description«,[2] das den kategorialgrammatischen Formalismus von Ajdukiewicz (also Husserls Grammatiktheorie) als Möglichkeit präsentierte, strukturalistische Analysen formal stringent zu modellieren.[3] Mit diesem Aufsatz in der Hauszeitschrift der Linguistic Society of America begann die formale grammatiktheoretische Forschung in der Sprachwissenschaft, zu der B.-H. auch in den folgenden Jahren mit wichtigen Arbeiten beitrug, bei denen er die Formalisierung kontextfreier Grammatiken ausreizte und Äquivalenzbeweise unterschiedlicher Grammatikmodelle lieferte.[4]

Der wissenschaftspolitische Kontext für diese Arbeiten waren die damals in großem Maßstab begonnenen Projekte zur maschinellen Übersetzung, für die eine Abteilung am MIT (Massachusetts Institute of Technology) aufgebaut wurde (Leitung V. Yngve), wo B.-H. 1951-1953 eine Forschungsstelle erhielt. Diese frühen Arbeiten zur maschinellen Übersetzung blieben noch im Horizont des amerikanischen Strukturalismus, der formale Modellierungen mit der Methodologie von sprachwissenschaftlichen Entdeckungsverfahren gleichsetzte. B.-H. erwies sich als effizienter spiritus rector in diesem Feld, für das er Überblicksbeiträge verfaßte und große Konferenzen organisierte.[5]

Wohl nicht zuletzt unter dem Einfluss von Chomsky, zu dem er seit 1951 eine enge Freundschaft unterhielt,[6] wurde er zunehmend skeptischer gegenüber dem Programm einer vollständig automatisierten maschinellen Übersetzung, also der Möglichkeit, die natürliche Sprache kontextfrei zu modellieren. Seine entsprechenden Beiträge bis zu einem für ihn abschließenden Bericht über den Stand der Forschungen 1960 liefen darauf hinaus, daß es unverzichtbar ist, maschinelle Übersetzungen manuell vor- und nachzuedieren, da die maschinelle Sprachverarbeitung die von Menschen ins Werk gesetzten Schlußoperationen niemals vollständig modellieren könne.[7] Zu einem festen Topos in der einschlägigen Diskussion wurde seine Demonstration, daß eine fully automatic high quality translation (bei ihm meist abgekürzt als FAHQT) an dem für Rechner nicht zugänglichen Weltwissen des (»natürlichen«) Sprachnutzers scheitern muß.[8]

B.-H. war eine der einflußreichsten Figuren in diesem Feld, das nicht zuletzt Dank seiner Interventionen zu einem festen Bestandteil auf den internationalen Linguistenkongressen wurde: auf dem 7. Internationalen Kongreß 1952 in London trug er dazu vor, und auf dem 8. Internationalen Kongreß 1957 in Oslo führte er den Vorsitz einer eigenen Sektion. In gewisser Weise konnte er mit seiner wachsenden Skepsis gegenüber dem zunächst emphatisch vertretenen technizistischen Programm auf Carnaps Skepsis gegenüber der Formalisierung der Sprache zurückgreifen.[9] Anders als dieser setzte er aber auf Chomskys grammatiktheoretisches Programm einer radikalen Idealisierung des sprachtheoretischen Gegenstandes, für das er auch nach wie vor, anders als Chomsky, Anwendungsbezüge reklamierte: als Entwicklung von computergestützten Übersetzungssystemen (gewissermaßen als Implementierung dessen, was Chomsky später I-Sprache [i = intern] nannte), die relativ zu fachspezifischen Kontextvorgaben effizient sein können. Früh war er über den engen Arbeitsbereich der maschinellen Übersetzung hinaus informationstechnologische Arbeitsaufgaben angegangen: Klassifikationssysteme der Datenverwaltung, gestützt auf die semantische Informationsverarbeitung, also Arbeiten aus dem Feld, das später als »Künstliche Intelligenz« eine disziplinäre Ausdifferenzierung erfuhr.[10]

Dabei standen nicht-kontextfreie Schlußverfahren im Vordergrund, also die formale Modellierung von Pragmatik im sprachwissenschaftlichen Sinne. Grundlegend war für ihn die strikte Trennung von Äußerung (und äußerungsbezogenen Kategorien der Grammatik) gegenüber Satz (und der von einem Satz artikulierten Proposition), als dem engeren Gegenstand semantischer Modellierung, also kontextfrei analysierbarer sprachlicher Strukturen.[11] Unter diesen Prämissen kritisierte er auch Chomskys weitgehende Idealisierung des sprachwissenschaftlichen Gegenstands, die den ganzen Bereich der Performanz (bzw. der E-Sprache [e = extern]) aus der sprachwissenschaftlichen Arbeit ausklammert. Er skizzierte die Möglichkeit, gerade solche Textfaktoren in die theoretische Reflexion hineinzunehmen, also das Wissen zu modellieren, mit dem Sprecher und Hörer ihre sprachliche Praxis bewerkstelligen.

In Israel lehrte er Logik und formale Philosophie an der Hebräischen Universität in Jerusalem (zunächst als Associate Professor of Philosophy 1958-1961, später als Full Professor of Logic and Philosophy of Science 1961-1975). Er war weiterhin in der internationalen Diskussion präsent, insbesondere auch durch einen Forschungsauftrag verbunden mit einem extensiven Reisestipendium des US Office for Naval Research (1958), mit dem er den Stand und die Möglichkeiten einer automatisierten Bearbeitung sprachlicher Daten evaluieren sollte. So war er damals auf zahlreichen internationalen Konferenzen in Europa und den USA anwesend, wo er häufig explizit für Chomskys Programm eintrat, gerade auch Ende der 60er Jahre, als dieses unter formalen Gesichtspunkten (nicht zuletzt auch in Hinblick auf Probleme der Implementierung auf dem Rechner) in eine Krise geriet und effizientere formale Alternativen aufkamen z.B. die Montague-Grammatik (und die später daran anschließenden Ansätze).[12] In den folgenden Jahren unternahm er geradezu einen missionarischen Kreuzzug, um die Sprachwissenschaftler davon zu überzeugen, daß sie nur auf der Grundlage der Logik eine Metasprache entwickeln könnten, also eine formale Modellierung bewerkstelligen könnten, die für ihre Interpretation in objektsprachlichen Beobachtungen der Einzelsprachen zu prüfen ist, um wissenschaftlich weiter zu kommen. Hier schreckte er vor heftiger Polemik nicht zurück, s. z. B. seine ausführliche Besprechung des Sammelbandes von Fodor/Katz (1964).[13]

Dabei schloß er wieder an Carnap an, vor allem auch da, wo gerade auch die frühen generativistischen Theoretiker noch sehr eng an die Schulgrammatik angelehnte Konzepte des Lexikons nutzten, denen er Carnaps Bedeutungspostulate als Grundlage für die Entwicklung von deduktiven semantischen Zusammenhängen gegenüberstellte; gleichzeitig kritisierte er aber Carnap für dessen sprachanalytische Enthaltsamkeit und bezog sich systematisch auf Reichenbach.[14] Und auf der anderen Seite verwies er Logiker bzw. formale Philosophen auf die jüngeren Entwicklungen der formaler ausgerichteten algebraischen Sprachwissenschaft, um sie davon zu überzeugen, daß sie nur so aus ihrer seiner Meinung nach sterilen Reflexionsecke herauskommen könnten.[15] In der Auseinandersetzung an beiden theoretischen Fronten entwickelte er Grundbegriffe einer strengen Sprachtheorie, die ihre Kategorien aus dem Begriff von Sprache ableitet, der er die empirischen Besonderheiten der Einzelsprachen gegenüberstellt, die deskriptiv zu beschreiben sind (in gewisser Weise war das eine strenge Version dessen, was wohl auch Chomsky mit seiner »Universalgrammatik« vorschwebt, ohne aber deren biologistische Prämissen). Kritisch wendet er das gegen philosophische Systeme ein, die ihren Anspruch seiner Meinung nach verfehlen, wenn sie letztlich doch ihre Begriffe aus der Anschauung der gewohnten Sprache beziehen, was er z. B. gegen Husserl anführt, am Beispiel von dessen Rückgriff auf die Kategorie Passiv.[16]

Außerordentlich heftig zog er gegen aufgeblasene programmatische Entwürfe zu Felde, die damals nicht zuletzt auch im Konkurrenzkampf um Ressourcen üblich wurden – zunehmend heftig auch gegen die anspruchsvolle Programmatik einer nicht einlösbaren maschinellen Übersetzung und Künstlichen Intelligenz.[17] Er vertrat diese Position nicht zuletzt auf einer ganzen Reihe von Gastprofessuren, so auch in Deutschland (Konstanz 1971, Techn. Universität Berlin 1972), wo er äußerst irritiert auf die damals aufkommenden Bemühungen reagierte, eine kritische Reflexion in die Sprachwissenschaft einzuziehen, denen er analytisch unhaltbare Begrifflichkeit vorwarf.[18]

In Israel war er nicht minder streitbar, auch in politischen Kontroversen, in denen er für die Rechte der Palästinenser eintrat und eine friedliche Lösung des Palästinakonfliktes einforderte. In den letzten Jahren war er schwer krank, so daß er seine Arbeitspläne nicht mehr völlig realisieren konnte.

Q: Nachruf von H. Schnelle in: Z. f. Allgemeine Wissenschaftstheorie 9/1978: 1-12; autobiographische Einleitung zu seiner Aufsatzsammlung »Language and Information« (London usw.: Addison Wesley 1964: 1-16); W. J. Hutchins in: Strazny (2005): 124-126; Gedenkschrift (mit persönlichen Würdigungen): A. Kasher (Hg.), »Language in Focus«, Dordrecht: Reidel 1976, dort Bibliographie 19*-28* (unvollständig). Hinweise von Maya Bar-Hillel (Tochter von B.-H.), A. Kasher und H. Schnelle; E/J 2006.

 


[1] Neuauflage Amsterdam: North Holland 1973, 1. Aufl. 1958. A. A. H. Fraenkel (*1891 München, †1965 Jerusalem) war selbst in der zionistischen Bewegung aktiv und 1929 nach Palästina emigriert, wo er an der Hebräischen Universität lehrte. 1961 gab B.-H. (mit anderen) eine Festschrift für Fraenkel heraus.

[2] Da B.-H. in den 50er Jahren eng mit den technisch ausgerichteten Entwicklungen der maschinellen Übersetzung verknüpft war, geriet sein grundlegender Aufsatz 1953 zunächst in Vergessenheit und wurde in seiner Pionierrolle erst in den 60er und 70er Jahren »wieder entdeckt«. Zu dem klassischen Status dieses Aufsatzes in der algebraischen Grammatiktheorie, s. z.B. Mary McGee Wood, »Categorial Grammars«, London u.a.: Routledge1993.

[3] In einem späteren Aufsatz »Husserl’s Conception of a purely logical Grammar«, in: Philosophy and phenomenological research 17/1957: 362-369 würdigte er zwar Husserls Pionierrolle als Begründer einer theoretischen (formalen) Sprachanalyse (bes. S. 366), gestand ihm aber nur die Rolle eines Vorläufers von Carnap zu, da er sich im Gegensatz zu diesem nicht von den Vorgaben der Schulgrammatik habe lösen können, die er nur paraphrasiere.

[4] Diese Arbeiten führte er mit einer von ihm geleiteten Gruppe israelischer Mathematiker durch, s. bes. mit C. Gaifman/E. Shamir, »On Categorial and Phrase-Structure Grammars«, in: Bull. Research Council of Israel 9F/1960: 1-16; (mit M. Perles/E. Shamir) »On Formal Properties of Simple-Phrase-Structure Grammars«, in: Z. f. Phonetik, Sprachwissenschaft und Kommunikationsforschung 14/1961: 143-172 (zuerst 1960). Zur Bedeutung dieser Arbeiten für die algebraischen Grammatiktheorie s. N. Chomsky, »Formal Properties of Grammars«, in: D. Luce u. a. (Hgg.), »Handbook of mathematical Psychology«, Bd. II, New York: Wiley 1963: 323-418. S. auch Chomskys Vorwort zur Neuauflage seiner Dissertation »The logical structure of linguistic theory« (1955), New York usw.: Plenum 1973, bes. S. 5.

[5] Den Beginn machte eine einflußreiche Konferenz 1952 am MIT. Für eine Würdigung von B.-H.s Rolle in der Entwicklung der maschinellen Übersetzung, s. z. B. Hutchins (2000): 301-312.

[6] S. den sehr persönlich gehaltenen Nachruf von Chomsky in der Gedenkschrift von 1976 (Q), S. XIII-XIV. Chomsky wurde zwar erst 1955 unter den gleichen Prämissen am MIT eingestellt, als B.-H. schon wieder nach Israel zurückgegangen war, aber von 1955-1956 und 1961 absolvierte B.-H. dort weitere Forschungsaufenthalte.

[7] B.-H. hat selbst seine für ihn wichtigsten Beiträge aus diesem Feld mit einer ausführlichen Selbsteinschätzung seiner Entwicklung publiziert: »Language and Information«, London usw.: Addison-Wesley 1964.

[8] »A Demonstration of the Nonfeasibility of Fully Automatic High Quality Translation« im Anhang III zu seinem Bericht »The present status of automatic translation of languages«, New York 1960, reproduziert in seinem Buch (1964): 174-179.

[9] S. dazu seine kritische Würdigung von Carnaps sprachtheoretischen Arbeiten in dem Band von Shilpp 1963: 519-544 (s. bei Carnap).

[10] Auch hier gehen seine Arbeiten letztlich wohl auf die Zusammenarbeit mit Carnap zurück, der ihn früh auf die damals noch junge Kybernetik und Informationstheorie verwiesen hatte, und mit dem er auch über die Nutzbarkeit statistischer Verfahren bzw. der Wahrscheinlichkeitstheorie arbeitete.

[11] S. z.B. seine Diskussion mit dem Sprachphilosophen Castañeda, etwa »Can indexical sentences stand in logical relations?«, in: Philosophical Studies 14/1963: 87-90.

[12] So seine entsprechende Kritik an dieser auf der einflussreichen Olivetti-Konferenz in Mailand 1968, auf der Montagues Forschungsprogramm wohl zum ersten Mal dem europäischen sprachwissenschaftlichen Publikum präsentiert wurde: »Communication and Argumentation in Pragmatic Languages«, in: B. Visentini (Hg.) Linguaggi nella società e nella tecnica, Mailand: Comunità 1970: 269-284.

[13] Fodor, Jerry A./Katz, Jerrold J. (Hgg.), »The structure of language: Readings in the philosophy of language«, Englewood Cliffs/N.J.: Prentice Hall 1964, in: Language 43/1967: 526-556. Hier findet sich auch eine Kritik an Harris (von dem dort Beiträge abgedruckt sind), dem er Chomsky als den wirklichen Theoretiker gegenüberstellt. In einer ganzen Reihe von kritischen Anmerkungen war er in der sprachwissenschaftlichen Diskussion präsent, wobei er immer auf eine begriffliche Klärung insistierte, auch da wo er positive Noten verteilte wie z. B. in seiner Rezension von Lyons (in: Semiotica 1/1969: 364-377), erst recht da, wo er gegen orthodoxe Vertreter der vorchomskyanischen Sprachwissenschaft zu Felde zog, s. seine Kritik an Hall (in: Foundations of Language 2/1966: 340-346); aber auch innerhalb der generativistischen Schule trat er kritisch auf, vor allem gegen die dort bis heute dominierenden Versuche, semantische (pragmatische) Sachverhalte zu syntaktisieren, etwa in seinen glossierenden Anmerkungen in Linguistic Inquiry 2/1971: 401-407.

[14] Wie er auch sonst, schon in seiner frühen Zusammenarbeit mit Carnap, wissenschaftstheoretische Arbeiten mit Bezug auf Reichenbachs Spezialgebiet der Physik verfolgte.

[15] S. seine Beiträge zum Linguistic Institute Stanford 1966, publiziert 1969 »Universal Semantics and Philosophy of Language: Quandaries and Prospects«, in: J. Puhvel (Hg.), »Substance and structure of language: lectures delivered before the Linguistic Society of America, UCLA, June 17 – August 12, 1966«, Berkeley: Univ. of California Press 1969: S. 1-21, und spiegelverkehrt etwa seinen Vortrag auf dem Internationalen Philosophenkongreß »Some recent results in theoretical linguistics«, in: E. Nagel u. a. (Hgg.), »Logic, methodology and philosophy of science« (Proc. 1960 intern. Congr.), Stanford: Stanford UP 1962: 551-557. Bemerkenswert an seinen kursorisch argumentierenden Arbeiten ist, daß er nicht nur gerne deutschsprachige Beispiele anführt, sondern auch die deutsche wissenschaftliche Tradition, nicht nur Husserl und andere Sprachphilosophen, sondern vor einem US-amerikanischen Linguistenpublikum wie auf dem Linguistic Institute 1966 z. B. auch Bühler (Puhvel a.a.O. 1969:19).

[16] So auf dem Linguistic Institute 1966 (s. Puhvel 1969, FN 15).

[17] So war er vor allem auch in der Neuformierung der sprach- und kognitionswissenschaftlichen Diskussion in Deutschland präsent: Kritisch gegenüber einem rein metaphorischen Gebrauch informationstechnologischer Termini, z. B. auf einer Konferenz 1968 über »Probleme der Kybernetik« (H. von Ditfurth [Hg.], »Informationen über Information«, zuerst Hamburg 1969, Neuausgabe Frankfurt: Fischer 1971; sein Vortrag dort: »Wesen und Bedeutung der Informationstheorie«, S. 9-31); oder bei einer Bonner Konferenz 1972 (C. H. Heidrich [Hg.] »Semantics and Communication«, Amsterdam: North-Holland 1974). Gegenüber den meisten der dort Versammelten, die sich damals um eine Neuformierung der Sprachreflexion bemühten, vor allem auch an die Adresse der Sprachphilosophen, insistierte er auf der Notwendigkeit, sprachliche Zusammenhänge formal (»logisch«) zu modellieren: Die Grundlage dafür war für ihn zweifellos die Generative Grammatik, gegen deren orthodoxe Variante er für eine kategorialgrammatische Basis plädierte, die im Gegensatz zu seinen eigenen frühen Arbeiten allerdings um Transformationen erweitert werden müßte.

[18] Ich erinnere ihn so aus seiner Berliner Zeit, in der er uns auch schon mal nach Hause zitierte, um ein Thesenpapier zu zerpflücken, das er in die Finger bekommen hatte. Was dann über uns herunterging, war eine Mischung von väterlicher Strafpredigt und analytischer Belehrung. In diesem Sinne zerpflückte er insbesondere auch die Versuche von Habermas zu einer soziologisch begründeten Sprachtheorie, polemisch ansetzend an begrifflich unscharfen Formulierungen, ohne aber auch nur zu versuchen, dieses Unternehmen zu verstehen (»On Habermas’ hermeneutic Philosophy of Language«, in: Synthese 26/1973: 1-12).