Wolf, Käthe (Katharina)

Geb. 3.6.1907 in Wien, gest. Dezember 1967 in New York

 

W. studierte in Wien Psychologie. Promotion 1930 bei K. Bühler mit einer Arbeit über Entwicklungstests. Noch als Doktorandin war sie Mitarbeiterin am Institut, die u.a. mit K. Bühler auch zu Kongressen fuhr und dort vortrug (u.a. 1930 am der Yale Univ.). Zu ihrem angewandt-psychologischen Forschungsbereich gehörten auch die instrumentell-phonetischen Forschungen, auf die sich Bühler in seiner "Sprachtheorie" (1934) stützt (Hinweis von M.Czwik).

Bühler  bezog sie auch in seine sprachtheoretische Arbeit ein, wobei er sie u.a. auch mit der Durchführung (?) seines entsprechenden Doktorandenseminars beauftragte, s. ihre Ausarbeitung „Sprachtheorie“ mit dem Vermerk „Rigorosantenkurs Dr. Wolf“.[1] Im Vorwort zu seiner „Sprachtheorie“ (1934) schreibt er: „Die erneuten und ausgedehnten Husserlstudien hat Dr. Käthe Wolf geleitet, deren besonderer Obhut auch die Ausdrucksforschungen, die uns in meinem Institut seit einigen Jahren beschäftigen, anvertraut sind“ (dort S. xxx). In den zugänglichen Quellen läßt sich das allerdings nicht recht nachvollziehen. Zwar trug W. 1931 auf dem Hamburger Psychologiekongreß über „Darstellungsfelder in der Sprache“ vor,[2] an dem ohnehin das Wiener Institut stark vertreten war (neben den beiden Bühlers trugen auch noch Brunswik, Hetzer und Lazarsfeld vor), ein Verweis auf  Husserl findet sich dort aber nicht – im Gegensatz zu einer kurzen (abgrenzenden Bemerkung über die andere Argumentation bei Cassirer , der auch teilnahm und vortrug). Es handelt sich nur um ein relativ kursorisches Referat zu Bühlers „Sprachtheorie“, das in einer ausführlicheren Version auch in der o.g. Ausarbeitung zum „Rigorosantenkurs“ vorliegt, in dem sie allerdings tatsächlich auf  Husserl verweist (der letztlich die Grundlage für ihre dort explizit auch genutzte Unterscheidung von Zeichenstruktur und Anzeichen geliefert hatte).

Ansonsten sind von ihr nur kinderpsychologische Arbeiten zu bibliographieren, auch aus ihrer späteren Zeit nach der Emigration in die USA. Ein besonderer Arbeitsschwerpunkt am Institut war für sie dabei die Nutzung fotographischer und filmischer Dokumentation (s. auch bei Spitz, der dazu damals am Wiener Institut arbeitete); dieser Bereich wird jetzt von Czwik aufgearbeitet (s. Q), insbesondere auch für die enge Zusammenarbeit mit Kris in Wien.

1938 emigrierte sie vor der drohenden rassistischen Verfolgung in die Schweiz (sie war früher "mosaischer" Konfession gewesen, zu dieem Zeitpunkt aber katholisch konvertiert), , wo sie am psychologischen Institut in Genf tätig war (bei J. Piaget, der auch in praktischen Fragen vermittelnd aktiv war); 1941 weiter in die USA, wo sie zunächst in kinderpsychologischen (insbesondere auch psychoanalytisch orientierten) Projekten arbeitete, von 1944 – 1946 war sie Mitarbeiterin bei Lazarsfeld an der Columbia Univ. in New York; u.a. arbeitete sie in dieser Zeit auch mit Spitz zusammen (mit dem sie auch gemeinsam publizierte). Seit 1949 war sie Dozentin am psychologischen Institut der Yale Uni.; seit 1950 als Assistant Prof., 1953 als Associate Prof.

Q: G. Benetka in Keintzel / Korotin (2002); Hinweise und Materialien von Maria Czwik, die in Wien an einer Dissertation zu W arbeitet.


[1] Masch.-schr. 8 S. im Nachlaß K. Bühler , s. bei diesem. Czwik (s. Q) datiert den Text auf 1934.

[2] Abgedruckt in den G. Kafka (Hg.), Bericht über den 12. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Hamburg vom 12. – 16. April 1931, Jena: Fischer 1932: 449-453.