Wolff, Fritz

Geb. 11.11.1880 Berlin, gest. 1943 im KZ Auschwitz.[1]

 

Abitur 1899 am Französischen Gymnasium in Berlin. Studium der vergleichenden Sprachwissenschaft mit Schwerpunkt bei den arischen Sprachen in München, Heidelberg, Berlin und Gießen. Dort 1905 Promotion bei Bartholomae (1855-1925; Indogermanist mit Schwerpunkt bei den indo-iranischen Sprachen; von 1889-1909 Professur an der Univ. Gießen). Die Dissertation »Die Infinitive des Indischen und Iranischen«[2] liefert eine umfangreiche Bestandsaufnahme der Infinitivformen in den ältesten Texten der beiden arischen Sprachen, mit einer systematischen Kommentierung schwieriger Textstellen, die eine souveräne Sprachkenntnis unter Beweis stellen (insbesondere im Rigveda). Da es sich bei den Infinitiven um erstarrte Kasusformen handelt, analysiert er die bewahrte Variation der Formen als Spur von Rektionsfeldern, die die Kasusendungen motivieren. Neben formalen Analysen (Ablautvariation u. dgl.) steht die syntaktische Funktion der Infinitive im Vordergrund, also die bewahrte Rektion, wobei Genitive ein kritisches Problem darstellen, da sie nicht nur adnominal sein können, sondern auch bei verbaler Rektion partitiv zu lesen sein können. Schon in dieser Arbeit verweist er beim Iranischen auf jüngere Fortsetzungen, insbesondere bei Firdosi.

W. war tiefgläubiger Protestant (s. Schaeder, Q), der aber für sich aufgrund seiner jüdischen Herkunft angesichts des Antisemitismus keine akademischen Karrierechancen sah. Sein Familienvermögen erlaubte ihm eine Existenz als Privatgelehrter, der außer in Berlin in Münster, Tübingen, Gießen, Rom und Florenz lebte und in den jeweiligen Bibliotheken forschte. Seit 1929 lebte er wieder fest in Berlin. In seiner wissenschaftlichen Arbeit setzte er zunächst das Werk seines Lehrers Bartholomae fort. Aufgrund von dessen altiranischem Wörterbuch (1904) lieferte er eine Übersetzung des Avesta, die sich allerdings rein philologisch als Arbeitshilfe versteht und den Text ohne weitere interpretativen und kulturgeschichtlichen Erläuterungen bietet: »Avesta. Die heiligen Bücher der Parsen. Übersetzt auf der Grundlage von Chr. Bartholomae’s Altiranischem Wörterbuch«,[3] zusätzlich durch ein ausführliches Glossar erschlossen.

Schon damals wandte er sich dem Neupersischen zu und begann eine Bearbeitung des klassischen Werkes der persischen Literatur, der umfangreichen Neudichtung des Buchs der Könige (Shah-nāmeh, ca. 60.000 Verse) von Firdosi (935-1020). Sein Lebenswerk wurde ein Wörterverzeichnis zu diesem Werk: »Glossar zu Firdosis Schahname«, das 1935 als offizielles Geschenk des deutschen Staates der persischen Regierung übergeben wurde und insofern in einer geradezu monumentalen Form gedruckt wurde, ohne W.s Namen auf dem Titelblatt zu nennen (887 großformatige Seiten, mit jeweils der Auflistung der Formenvariation und vollständigen Belegangaben), ergänzt noch durch eine »Verskonkordanz der Schahname-Ausgaben von Macan, Vullers und Mohl«.[4]

1943 wurde er in ein Konzentrationslager deportiert und dort mit seiner Familie umgebracht.

Q: V; Hanisch 2001: 119; Nachruf von H. H. Schaeder in: Z. Dt. Morgenländ. Ges. 99/1945: 164-167; Ellinger.

 


[2] Gütersloh: Bertelsmann 1905.

[3] Straßburg: Trübner 1910.

[4] Beide Werke nachgedruckt Hildesheim: Olms 1965. Als Herausgeber firmierte »die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft in Verbindung mit der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft«.