Woitsch, Leopold

Geb. 20.10.1868 in Ottensheim (Oberösterreich), gest. 6.6.1939 in Wien.

 

Nach dem Abitur 1889 in Linz studierte er Naturwissenschaften in Wien und in Innsbruck. 1894 promovierte er mit einer mathematischen Dissertation in Wien. Danach war er im Staatsdienst, zunächst in einer Abteilung für Landvermessung, dann für Versicherungsfragen. Gleichzeitig begann er mit dem Studium der orientalischen Sprachen, mit dem Schwerpunkt beim Chinesischen. Um dieses systematisch zu lernen, war er von 1904 bis 1908 in der Österreichischen Gesandtschaft in China tätig (in Peking, Shanghai und Tientsin). Neben dem Hochchinesischen beschäftigte er sich systematisch mit der Pekinger Umgangssprache und auch mit dem Mandžurischen und Tibetanischen. Nach seiner Rückkehr nach Wien habilitierte er dort 1909 für Sinologie.[1] Er war weiterhin im Innenministerium tätig, unterrichtete zugleich Chinesisch an der Konsularakademie und an der Lehranstalt für chinesische und orientalische Sprachen. 1938 kam er der Entlassung als Dozent zuvor und gab seine Stelle auf (Gründe nicht geklärt).[2]

Neben Übersetzungen aus dem Chinesischen (v.a. Literarisches), publizierte er kleinere Studien zur chinesischen Umgangssprache, v.a. Dingen zur Lexikologie, bei denen er formale Bildungsmuster analysiert (z. B. Reduplikationen), dann auch zur Lautlehre, wobei er sich gegen die Darstellungen der Sprachlehren wendet, die nicht die Lautstruktur, sondern die Unterschiede zur europäischen Sprache in den Vordergrund stellen. Explizit phonologische Analysen finden sich allerdings bei ihm nicht. Bei seinen lexikologischen Arbeiten und zahlreichen Übersetzungen trug er heftige Kontroversen mit Zach aus (s. Führer, Q). Im Nachlaß liegen unveröffentlichte Lehrwerke zum Chinesischen, Mandžu und Mongolischen. Eine Reihe seiner kleineren Studien hat er im Selbstverlag herausgegeben unter dem Titel »Varia Sinica«.[3]

Q: Kowall; Führer: 133-148.

 


[1] Das Verfahren verlief nicht ohne Konflikte, da die Kommission (in der kein Sinologe war) vor allem W.s literaturwissenschaftliche Qualifikation infrage stellte und ihm nur eine sprachbezogene Venia verlieh.

[2] So Kowal, Führer (135/136) spricht nur von »Altersgründen«.

[3] Wien 1921 (vervielfältigt aufgrund einer handschriftlichen Vorlage).