Sponer, Margot

Geb. 10.2.1898 Neisse (Schlesien), gest. im Februar 1945 (KZ Neuengamme?).

 

1919 machte S. das externe Abitur in Quedlinburg, danach studierte sie Romanistik, klassische Philologie, Germanistik und Arabistik in Halle, Leipzig, Berlin, Neapel, Grenoble, Madrid, verbunden mit Studienreisen nach Portugal und Algerien. 1929 machte sie das Staatsexamen und unterrichtete seitdem bis 1933 als Spanischlektorin an der Universität Berlin. 1933 verließ sie Deutschland und war vermutlich bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs 1936 in Spanien.[1]

1935 schloß sie die Promotion mit der Vorlage der in Spanien gedruckten Dissertation »Altgalizische Urkunden«[2] ab. Diese Dissertation enthält in diplomatischer Abschrift (aber mit Interpunktion und regularisierter Majuskelschreibung) 156 Urkunden vom 10. bis zum 15. Jahrhundert (nach 1494 fand sie im Madrider Archiv, wo sie 1924f. die Texte abgeschrieben hatte, keine weiteren galizischen Urkunden mehr). Sie ordnet die Urkunden nach sprachexternen Hinweisen in den Texten verschiedenen Regionen zu und erschließt die Edition (S. 4-234) durch ausführliche Indices (S. 235-248). Im gleichen Jahr publizierte S. noch weitere hispanistische Arbeiten. Für das Berliner Institut für Lautforschung gab sie eine Reihe nordkatalanischer Aufnahmen mit einem Sprecher aus dem Roussillon heraus, den sie bereits publizierte Texte lesen ließ: »Katalanische Mundarten«.[3] Die Aufnahmen wurden auf Schallplatten zugänglich gemacht, im Begleitheft gibt sie eine relativ enge phonetische Umschrift mit der Vorlage und einer Übersetzung, sowie kursorischen und sprachlichen Anmerkungen in der Einleitung, besonders auch zu Gallizismen. Weiter gibt sie eine kritische Ausgabe eines katalanischen Textes von Ramon Lull: »Libre de Consolació s’Ermità«, der 1313 verfaßt und in mehreren Versionen überliefert ist, u.a. auch in einer lateinischen Übersetzung. Ihre kritische Edition einer Mailänder Handschrift beruht auf einer umfangreichen Kompilation der Überlieferung, die sie im Apparat dokumentiert; im Anhang listet sie lemmatisiert alle Wortformen im Text auf.

Seit 1937 unterrichtete sie wieder als Lektorin für Spanisch in Berlin, seit der Neuordnung der Hochschulen dort 1940 zugleich auch an der auslandswissenschaftlichen Fakultät und an der neu gegründeten Wirtschaftshochschule. 1938 unternahm sie eine größere Mexikoreise (verbunden auch mit einer Reise in die USA), über die sie einen Bericht vorlegte. Die Reise hatte offensichtlich einen ökonomischen Hintergrund, da sie im Bericht ihre »geschäftlichen Tätigkeiten« erwähnt. Der Bericht selbst enthält ausführliche Angaben über das Bildungswesen und Statistiken über die Ausländer in Mexiko, verbunden mit politischen Einschätzungen, ausgesprochen kritisch gegenüber den Vertretern der regierenden Linken in Mexiko (im Text »izquierdistas«).[4]

1940 und 1941 wurden ihr noch dienstliche Reisen nach Spanien genehmigt. 1942 wurde sie entlassen, nach Aktenvermerken zu schließen aufgrund institutioneller Konflikte. Sie versuchte vergeblich, die Entlassung rückgängig machen zu lassen. Von 1942-1945 lebte sie von Übersetzungstätigkeiten, u.a. für das Auswärtige Amt. In diese Zeit unterstützte sie aktiv Verfolgte. Das wird der Grund dafür gewesen sein, daß sie 1945 verhaftet und in das KZ Neuengamme gebracht wurde. Dort wurde sie im April 1945 hingerichtet.[5]

Q: V; A. Vogt, »Eine vergessene Widerstandskämpferin«, in Berlinische Monatsschrift 5/2001: 57-61; U. Mühlschlegel unter: www.romanistinnen.de/frauen/sponer.html (Jan. 2009); Unterlagen im Iberoamerikanischen Institut, Berlin (mitgeteilt von Dr. Mühlschlegel).



[1] Politische Gründe können vermutet werden. Ihre Schwester Hertha Sponer emigrierte ebenfalls aus politischen Gründen 1933 nach Norwegen und später (1936) in die USA (sie war Physikerin, zunächst Hochschullehrerin in Göttingen).

[2] Als Dissertation ohne Titelblatt des spanischen Druckes »Documentos antiguos de Galicia« (Palma de Mallorca: Moll 1935) vorgelegt.

[3] Institut für Lautforschung an der Universität Berlin (Kommissionsdruck: Leipzig: Harrassowitz 1935).

[4] Der Bericht ist im Nachlaß erhalten, zugänglich am Iberoamerikanischen Institut in Berlin.

[5] Vasmer vermerkt in einem nachgelassenen Bericht, daß S. »ermordet (wurde, weil sie) wichtige Geheimnisse der führenden Schichten kannte« (Bl. 16a, Bott  2009: 55). In ihrem Kommentar zu dieser Stelle vermutet Bott, daß das auf ihre Übersetzungstätigkeit für das Auswärtige Amt zurückgehen könnte.