Schlesinger, Eilhard

Geb. 28.12.1909 in Cluj (Klausenburg/Rumänien), gest. 13.8.1968 bei Limburg/Hessen (Autounfall).

 

Die Familie kam 1911 nach Gießen (der Va­ter wurde dort Prof. f. Mathematik an der Universität). Nach dem (externen) Abitur in Gießen von 1928-1933 Stu­dium der klass. Philologie in Gießen und Berlin. 1932 Staatsexamen für Latein und Griechisch mit dem Nebenfach Geschichte; 1933 Promotion in Gießen. Seit 1932 Referendariat in Marburg. In der Dissertation »Die griechische Asylie«[1] rekonstruiert er die Institution des Asyls im Griechischen und stellt die entsprechenden Quellenbelege zusammen. Für kulturgeschichtliche Zusammenhänge im Vorderen Orient dankt er dabei seinem Schwager Julius Lewy. Er wertet vor allem die Inschriftbelege im Mutterland und in Kleinasien aus.

1933 wurde er aus rassistischen Gründen ent­lassen.[2] Er figurierte in den Londoner Listen der Notgemeinschaft. 1933 emigrierte er nach Argentinien, wo er ab 1944 an der Univ. Tucumán eine Professur für Griechisch hatte. Hier erarbeitete er aber auch, wohl gebunden an seinen elementaren Lehrauftrag, sprachdidaktische Werke. Ab 1948 lehrte er an der Universität La Plata in Buenos Aires. 1966 kehrte er in die BRD zurück und erhielt eine Honorar-Profes­sur für Klassische Philologie an der Univ. Mainz.

Sein Arbeitsschwerpunkt lag bei der griechischen Philologie (er publizierte u.a. über Aristoteles) sowie dem klassischen griechischen Drama. Er veröffentlichte kleinere, auch wortgeschichtliche Studien, z.B. »Deinotēs«,[3] wo er diesen philosophischen Terminus bei Aristoteles (»Tüchtigkeit«) kulturgeschichtlich kontextualisiert und mit Entsprechungen in der griechischen Tragödie parallelisiert.

Q: BHE; B/J; Universitätsarchiv Mainz; Nachruf von W. Marg/A. Thierfelder in: Gnomon 41/1969: 430-432. Eintrag zu S.s Vater Ludwig S. (1864-1933) von K. Benda in: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 48)/1992): 196-197.

 



[1] Gießen: Dietrich 1933.

[2] In der Vita der gedruckten Dissertation schreibt er »wegen der durch das Reichsgesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums geschaffenen Lage schied ich, da ich nicht arischer Abstammung bin, im Mai 1933 aus dem preußischen höheren Schuldienst aus«.

[3] In: Philologus 91/1936: 59-66.