Sachs, Georg E.

Geb. 31.1.1909 in Berlin, gest. 1939 in New York.[1]

 

Nach eigener Darstellung in der Vita zur Dissertation Studium der »Sprachwissenschaften und Philologie«, wobei es in Hinblick auf sein Schicksal als rassistisch Verfolgter nicht ohne Pikanterie ist, daß er außer seinem Doktorvater E. Gamillscheg besonders G. Neckel dankt.

Die Dissertation »Die germanischen Ortsnamen in Spanien und Portu­gal«[2] ist in das Ga­millschegsche Forschungsprogramm der Romania Germanica einge­schrieben: die relative Chronologie der Entwicklung iberoromani­scher Ortsnamen mit germanischen Etyma wird von ihm mit der germa­nischen Besiedlungsgeschichte korreliert (Rückzug der Goten vor den Mauren im 8. Jhd., spä­ter Reconquista und fränkische »Landnahme«).[3]

S. arbeitete 1931/1932 als Botschaftsangestellter für die Spanische Republik in Berlin, was ihm (mit seiner ebenfalls rassistisch verfolgten Frau, Leonie Feiler, s. dort) zur Emigration nach Spanien verhalf, wo er 1933-1936 Lektor für Deutsch an der Universität Ma­drid war. Nach dem Sieg der Faschisten 1937 Flucht nach Frankreich und Emigration in die USA, wohin auch seine sonstige Familie ausgewandert war.[4] Unterstützung durch Hilfsorganisatio­nen, zeitweise Forschungstätigkeit an der Columbia University, da­neben Arbeit als Übersetzer.

Q: V.

 


[1] Malkiel im Nachruf auf H. Kahane in Rom. Ph. 46/1993: 298: S. »starb im Alter von 29 Jahren in New York an Blinddarmentzündung«.

[2] = Berliner B. z. Rom. Ph. II, 4, Jena/Leipzig: Gronau 1932; vorher schon als Teildruck, = bis S. 39 der späteren 139 SS., Weimar: Uschmann 1932.

[3] Kritisch dazu (»unzureichende Kontrolle an der sprachinternen Entwicklungsdynamik«) R. J. d’Alquen, »Gothic Ai and Au«, Den Haag: Mouton 1974: 116-120; als Vorarbeit gewürdigt (»germanischer Namenschatz in der Romania«) bei G. Schramm, »Namenschatz und Dichtersprache«, Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 1957: 12.

[4] Der Vater, Curt Sachs (1881-1959), war 1933 aus rassistischen Gründen von seiner musikwissenschaftlichen Professur in Berlin entlassen worden und zunächst nach Paris emigriert, 1937 weiter in die USA, mit einer Einladung als Gastprofessor an der New York University. Später war er an der Columbia University tätig.