Rosenberg, Justus

Geb. 23.1.1921 in Danzig.

 

1937 wurde R. in Danzig aus rassistischen Gründen vom Gymnasium verwiesen. 1938 konnte er mit privater Unterstützung nach Frankreich emigrieren und dort den Schulbesuch fortsetzen (Abschluß 1939). 1939/1940 begann er ein (neu-?)philologisches Studium in Paris. Vor der deutschen Besatzung floh er nach Südfrankreich, wo er in Marseille in der Organisation von V. Fry tätig war, die Verfolgten die Flucht ermöglichte. 1940 wurde er festgenommen und interniert. Er konnte fliehen und war in der Résistance aktiv (er wurde verwundet). Nach der Befreiung konnte er in Paris 1946 das Studium mit einem ersten Examen abschließen. Im Anschluß daran wanderte er in die USA aus, wo er mit einem Stipendium sein Studium mit einem literaturwissenschaftlichen Schwerpunkt fortsetzen konnte: 1948 M.A. in Los Angeles, 1950 Ph.D. in Cincinnati.

Seine Dissertation über die deutschen Verlaine-Übersetzungen war mir nicht zugänglich; thematisch dürfte ihr entsprochen haben, was er in einem späteren Aufsatz ausführte: »Constant factors in translation«,[1] der Probleme einer dichterischen Übersetzung in Hinblick auf Fragen der Konnotation u. dgl. diskutiert. Er zeigt Beispiele vor (sein ideales Modell sind Nachdichtungen von E. Pound), analysiert sie aber nicht sprachwissenschaftlich. Auf eine sprachanalytische Herangehensweise verweist ein Titel »Sound and structure of English« (1968), der mir nicht zugänglich war. Weitere Publikationen liegen im Feld der »History of Ideas« und der Li­teraturwissenschaft (vor allem wohl moderne dt. Literatur: Rilke u.a.).

Seit 1946 unterrichtete er an verschiedenen Universitäten: bis 1955 an der Dayton Univ., Ohio, für Fremdsprachen; 1956-1962 dasselbe am Swarthmore College, Pennsylvania; seit 1962 am Bard College, Annandale-on-Hudson/N.Y. 1960 wurde er außerdem Professor für Geschichte/Politologie an der New School for Social Research, New York; seit 1962 Gastprofessur für Fremdsprachen an der Columbia Universität in New York; 1967-1968 auch an der Universität Singapur. Das breite Spektrum seiner Lehrveranstaltungen wird in der Würdigung seiner 50jährigen Lehre an der New School for Social Research (Q) deutlich, bei der explizit sprachwissenschaftliche Themen fehlen.

Q: BHE; T. Hrenchir, in: The Topeka Capital-Journal v. 28.4.2006; New School News (New School for Social Research, New York), Spring 2010: 1-3; persönliche Auskunft von R. v. 14.10.2008. Es gibt mehrere, z.T. sehr ausführliche videographierte (auto-)biographische Dokumente zu R., u.a. das mehrstündige »Jewish Survivor Justus Rosenberg Testimony« (aufgenommen am 13.1.1998) des USC Shoah Foundation Institute,[2] s. http://www.youtube.com/watch?v=e5GCLZOVkKo; vgl. außerdem auch http://dougist.com/2010/01/justus-rosenberg-video und http://www.youtube.com/watch?v=jbbPsxj9a5c.



[1] In: G. F. Merkel (Hg.), »On romanticism and the art of translation. Studies in honour of Edwin Hermann Zeydel«, Princeton/N.Y.: Princeton UP 1956: 171-195.

[2] Eine von Steven Spielberg 1994 begründete Einrichtung, s. http://dornsife.usc.edu/vhi.