Pokorny, Julius

Geb. 12.6.1887 in Prag, gest. 8.4.1970 in Zürich.

 

P.s Eltern hatten sich vom Judentum getrennt und ihn nach der Geburt katholisch taufen lassen. Sie zogen nach Baden (Österreich) und schickten den Sohn auf ein kirchliches Internat  in Kremsmünster (bei Linz, Österr.), wo er 1905 den Abschluß (Matura) machte. Danach studierte er in Wien Jura (1910 mit einer Promotion abgeschlossen), daneben aber auch Sprachwissenschaft und insbesondere Keltistik; 1912 promovierte er darin mit einer Dissertation über einen irischen Sagentext.[1] Bereits vorher (zuerst 1908) hatte er zum Irischen Aufsätze in der ganzen Breite von Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft und Kulturgeschichte publiziert. Von 1911-1913 war er als Gerichtsreferendar tätig, von 1914-1915 war er bei der Wiener Universitätsbibliothek angestellt, zugleich seit 1913 auch als (unbesoldeter) Lektor für Irisch an der Universität (er erhielt nur Hörergelder). 1914 habilitierte er in Wien mit seinem altirischen Studienbuch (s.u.) und lehrte danach dort  bis 1920 als Dozent. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich in dieser Zeit als Dozent für englische Handelskorrespondenz; von 1918-1920 auch an der Handelshochschule in Wien.

Mit seiner altirischen Grammatik 1914 hatte er sich in der Keltistik etabliert.[2] Der Band war in Wien als Habilitationsschrift anerkannt worden, ohne daß P. allerdings im Buch darauf hinweist. P.s besondere Stellung in der Keltistik kam schon darin zum Ausdruck, daß er die Arbeit gleich auf Englisch (und auch in Irland) publizierte. Sie ist allerdings recht traditionell als Formenlehre mit lautgeschichtlichen Erläuterungen gestrickt – demgegenüber hatte bereits Thurneysen in seinem Handbuch Abschnitte zur Syntax.[3] Prominent war P. aber schon vorher geworden: schon als Student (seit 1908) hatte er ausgiebig zur irischen Kulturgeschichte publiziert; 1917 gehörte er in Berlin zu den Begründern einer Deutsch-Irischen Gesellschaft, in deren Rahmen er laufend eine Mischung von fachwissenschaftlichen und politisch-propagandistischen Parteinahmen für die irischen Autonomiebestrebungen veröffentlichte.[4] Seit 1908 hatte er wiederholt längere Aufenthalte in Irland absolviert und dort auch die gesprochene Sprache gelernt,[5] deren politische Aufwertung zur Nationalsprache des neuen Staates er enthusiastisch unterstützte. Dadurch wurde er in Irland genauso (wenn nicht noch mehr) eine Schlüsselfigur der Keltistik wie in Deutsch­land.[6] Symptomatisch ist, daß J. Joyce ihn diese Rolle sogar im »Ulysses« (1922) spielen läßt.[7] Ausschlaggebend war dafür vor allem sein engagiertes (roman­tisch-schwärmerisches) Eintreten für die irische Befreiungsbewe­gung und ihren Kampf gegen das kolonialistische England, für den er sich bei seinen Aufenthalten in Irland auch in öffentlichen Vorträgen engagiert hatte.

Dadurch war er im Ersten Weltkrieg als Spezialist für antienglische Propaganda brauchbar, die er in zahlreichen mehr oder weniger populärwissen­schaftlichen Veröffentlichungen entfaltete, so z.B. in einer Län­derkunde »Irland«,[8] die irische Kultur und englische Barbarei, irischen Freiheitskampf und »englische Schrec­kensherrschaft« gegenüberstellt (Kostprobe: »der Wortschatz des ärmsten irischen Bauern, der weder lesen noch schreiben kann, um­faßt im Durchschnitt etwa vier- bis sechstausend Wörter, während viele englische Landsleute über nicht mehr als fünfhundert Wörter verfügen«, S. 155) – verständlich, daß das Buch in Irland übersetzt wurde: »A History of Ireland«,[9] wobei die Parteinahme für die Sinn Féin im Vorwort ausdrücklich als Grund angegeben wird.

Abgesehen von einem kleineren frühen Bei­trag zum Tocharischen hat er in der Folgezeit eine Fülle von Auf­sätzen zu Problemen des Irischen geliefert: z.T. philologische, sprach- und literaturwissenschaftliche Einzelstudien, vor allem aber zur Frühgeschichte des westeuropäischen Sprachraums und der Stellung des Keltischen. Hier kaprizierte er sich immer mehr auf eine spekulative Substrattheorie mit rassischen Komponen­ten, die die Sonderstellung des Keltischen biologisch bis in die Frühgeschichte vor der indogermanischen Einwanderung zurückver­folgt (und Übereinstimmung des Substrats im Baskischen, Berbe­rischen usw. sucht; zur Irritation der Irländer auch mit eskimoischen Parallelen, für die er sogar eine frühe Besiedlung der Insel von Grönland aus postulierte).[10] Diese Position hat er auch bis zu­letzt, unbeeindruckt von der Kritik, vertreten (s. etwa »Keltische Urgeschichte und Sprachwissenschaft«).[11] Auch da, wo er mit weniger luftigen Konstruktionen arbeitete, die nicht zuletzt mit der damals modischen Argumentationsfigur der »inneren Sprachform« operieren, wie im Bereich der etymologischen Durchforstung der westeuropäischen Toponyme, rekurrierte er mit Vor­liebe auf extrapolierten Substraten, bei denen ihm seine ansonsten homolog argumentierenden Fachkollegen wie z.B. Hans Krahe nicht folgen konnten (s. etwa seinen Beitrag »Kelten und Illyrer« auf dem 3. Internationalen Linguistenkongreß in Rom 1933).[12]

Diese irrealisierende Verschiebung seiner Fra­gestellung verläuft merkwürdig synchron mit seiner wachsenden antise­mitischen Bedrohung als »Nicht-Arier« – obwohl er zunächst noch eine erfolgreiche akademische Karriere absolvierte: 1920 erhielt er einen Ruf als a.o. Professor an das Indogermanische Seminar Berlin, wo er 1928 zum o. Prof. für Keltische Philologie ernannt wurde (neben Schwyzer nach dem Ausscheiden von Lüders einer der Direktoren).[13] 1933 wurde er aus rassistischen Gründen zunächst ent­lassen, auf seinen Protest hin und vor allem aufgrund einer Intervention der Fakultätskollegen (die auf die Bedeutung der von ihm wahrgenommenen Professur, für die er unverzichtbar sei, verwiesen) wurde er aber wieder eingestellt.  Bemerkenswert ist, daß die o.g. englische Ausgabe »A History of Ireland« im Vorwort auf seine Entlassung als »victim of race theories of the Naziregime« Bezug nimmt, in einer Korrekturnote [Nov. 1933] dazu dann vermerkt: »This suspension, which was due to a misunderstan­ding, has since been revoked. The Professor is a Catholic, and of Catholic parentage«.

P.s Leben (und vor allem auch sein Umgang mit den Ereignissen) in den folgenden zwölf Jahren sind an Absurdität kaum zu überbieten – und haben zu entsprechend widersprüchlichen Interpretationen Anlaß gegeben (ich folge weitgehend der sorgfältig mit sonst nicht zugänglichen Quellen gearbeiteten Darstellung von Ó Dochartaigh, 2004 [Q]). 1934 leistete P. den Eid auf Adolf Hitler. 1935 wurde er aufgrund der »Nürnberger Gesetze« endgültig entlassen, behielt aber, ermöglicht durch die kollegiale Situation am Berliner Seminar, Dienstzimmer und Diensttelefon (!) bei. Er hatte zunächst auch keine Probleme mit der Genehmigung von Auslandsreisen, soweit diese keine Devisenkosten verursachten (so. z.B. auch Vortragsreisen nach England). Auch die Herausgabe der in Halle/S. bei Niemeyer erscheinenden Z. celt. Ph. (seit 1921 gemeinsam mit Thurneysen) behielt er bis 1939 (1954 übernahm er sie wieder). Die von ihm bis dahin wahrgenommene Professur war 1936 mit dem Parteigenossen Mühlhausen wieder besetzt worden.

P. betrieb in der ganzen Zeit eine heftige Aktivität, um auf »seiner« Professur wieder eingesetzt zu werden, später wenigstens um seine Rehabilitation als »Arier« – und noch 1940 mit Eingaben zur Erhöhung seiner Bezüge. Es ist schwer auszumachen, was von seiner Argumentation taktisch gemeint war und was Überzeugung. Er fühlte sich offensichtlich lange Zeit nicht direkt betroffen: er war katholisch getauft und aufgewachsen und versicherte, von seinen jüdischen Großeltern nicht gewußt zu haben; schließlich brachte er für sein Ariertum auch »anthropometrische« Expertisen bei. Er versuchte sogar, die biologistische Argumentation der »Nürnberger Gesetze« in seinem Sinne umzudrehen, indem er argumentierte, daß seine böhmischen Großeltern deutsches Blut gehabt hätten und nur konfessionell zur mosaischen Religion übergetreten seien.[14] P. war immer schon im völkischen Kontext als Redner aufgetreten (vor 1933 vor allem auch im Sudetenland, wo er die irische Irredenta im Kampf gegen England als Modell für den Widerstand der dortigen Deutschen gegen Tschechien propagierte) und brachte das jetzt als Argument ein – womit er auch die Unterstützung von untergeordneten Parteistellen fand (s. die Dokumentation bei Ó Dochartaigh, 2004 [Q]). Vor allem aber fühlte er sich sicher, weil er sich mit seiner keltistischen Position auf einer politisch exponierten Position glaubte, die von der irischen Regierung gestützt wurde.[15]

P.s Haltung war nicht nur völkisch-national, er argumentierte auch offen rassistisch, in persönlichen Äußerungen auch direkt gegen Juden gerichtet. Mit diesem Terminus verband er offensichtlich vor allem die »Ostjuden«, geprägt durch seine Wiener Erfahrungen mit jüdischen Lebensformen dort. Er selbst fühlte sich daher von Angriffen auf die Juden nicht betroffen und reagierte auf entsprechende Vorwürfe gegen ihn selbst empört und mit heftigen Protesten.[16] So ließ er sich auch in die völkisch-rassistische Kampagne gegen Feist einspannen (s. bei diesem). Andererseits hielt er selbstverständlich auch mit rassistisch verfolgten Fachkollegen wie vor allem E. Lewy lebenslang einen freundschaftlichen Kontakt (s. auch bei diesem für ein vergleichbares Syndrom). 

In dieser bedrohlichen Situation baute er seine Auffassungen weiter aus, kongruent mit völkisch-rassistischen Argumentationsfiguren – und auch aktiv im ideologischen Kampf gegen andere verfolgte Leidensgenossen, wie z.B. in seiner heftigen Kritik an Feist. Er schaffte es dabei sogar, seine kuriose Substrattheorie des Keltischen mit »nordischen« Sichtweisen der Germanentümelei zu harmonisieren – und das konnte dann auch gedruckt werden (»Zur Urgeschichte der Kelten und Illyrer«)[17] - Zitat: [so wird verständlich], »daß das Deutsche [...] der idg. Grundsprache rein sprachtypisch weitaus näher steht, als die skandinavischen Sprachen und das Englische [Hervorhebung im Text], deren innere Sprachform öfter an das Keltische, Französische, Spanische, Baskische erinnert. Denn im Deutschen kommt das schnurkeramische, uridg. Element in weitaus reinerer Ausprägung zur Geltung, als bei den Germanen im Norden und Westen« (sep. Druck S. 179). Seine zünftigen Fachkollegen reagierten eher etwas peinlich berührt auf P.s »Spekulationen«; entsprechend waren die Vorbehalte, als P. (vom Verlag vor allem wohl aus ökonomischen Gründen) die Neubearbeitung des »Vergleichenden Wörterbuchs der indogermanischen Sprachen« aus dem Nachlaß von Alois Walde übertragen bekam[18] (s. die vornehme Kritik im Nachruf von E. Risch). P. versicherte sich zwar einer Reihe von qualifizierten Mitarbeitern für den außerkeltischen Bereich (Holthausen, K. Reichardt...), aber die spekulative Unzulänglichkeit des Werks war sprichwörtlich.

Obwohl er in den 30er Jahren wiederholt im Ausland war, kehrte er immer wieder nach Berlin zurück – eine Auswanderung, für die sich ihm Möglichkeiten boten, schloß er aus, weil er sich persönlich sicher wähnte – und eben auch aus nationaler Gesinnung. 1939 hatte er sogar ein irisches Visum erhalten, das er nicht nutzte. Diese Situation währte bis April 1943, als seine Festnahme angeordnet wurde. P. wurde gewarnt, als er in Wien zur Beerdigung seines Vaters war. Er fuhr nicht mehr nach Berlin zurück und hielt sich zunächst noch einige Wochen illegal (versteckt?) in Freiburg/Br. auf. Im Juli ging er von dort bei Lörrach illegal über die Grenze nach Basel. Er hatte seinen Paß (ohne das stigmatisierende »J«) behalten – und vor allem ein irisches Visum, das für die Schweizer Polizei seine Einreise als Transit akzeptabel machte.[19]

P.s  Aufnahme in der Schweiz war widersprüchlich. Er wurde zunächst interniert, dann aber als Flüchtling anerkannt; er lebte noch lange Zeit vorwiegend von karitativer Unterstützung. Allerdings stellte er sich rasch auf die neue Situation ein – und hielt Vorträge über die keltische Vorgeschichte der Schweiz... In Zürich und in Bern konnte er auch schon 1944 wieder zum Keltischen lehren, neben wieder dem Unterricht in englischer Handelskorrespondenz, mit dem er Geld verdiente. Er bemühte sich um eine Berufung nach Wien, die aber an den dortigen Altersbegrenzungen scheiterte – nach Berlin wollte er nicht zurück, da er auf keinen Fall in die sowjetische Besatzungszone wollte (in der seine »alte« Universität lag). Sein Versuch, sich regulär in Zürich zu etablieren, wo er 1953 nochmals für »Keltische Philologie« habilitierte,[20] stieß auf wenig institutionelle Gegenliebe, vor allem nicht bei dem dortigen Ordinarius M. Leumann, der P.s wenig kongruente Art von Lehrveranstaltungen nicht schätzte (s.  die vornehmen Bemerkungen in Rischs Nachruf, Q). Seine materielle Lebensgrundlage verschaffte er sich zunächst zumindest teilweise über Verlagsaktivitäten, indem er literarische Keltika publizierte und auch einen Lehrgang für »Englisch im Selbstunterricht« herstellte, der 1958 in Zürich erschien. Unterstützt wurde er vom Verlag Francke in Berlin, für den er die seit 1948 in Lieferungen erscheinende Neubearbeitung des »Walde/Pokorny« unternahm (»Indogermanisches etymologisches Wörterbuch«),[21] das im Fach nicht zuletzt dank quali­fizierter Mitarbeiter (außer den früheren insbes. M. Leumann, E. Risch, O. Szemerényi, W. Wissmann) das Standardwerk geworden ist.[22]

P.s persönliche Situation änderte sich erst 1953, nachdem er wieder seine deutsche Pension erhielt. Im gleichen Jahr nahm er einen Lehrauftrag in München wahr, der schließlich in einer Honorarprofessur dort mündete. Seitdem lebte er in München und in Zürich. In diesen Jahren war er eine der farbigsten zumindest aber unterhaltsamsten Figuren in der deutschen Indogermanistik, dessen Gastvorträge, wie ich mich aus meiner ei­genen Studienzeit erinnere, mit ihrer Vorliebe für sexuell be­stimmte Themen (seien es Etymologien oder philologische Probleme in der ja auch nicht prüden altirischen Literatur), meist noch mit entsprechenden Dias illustriert, immer ein Ereignis waren. Sein wissenschaftliches Renommee war außerhalb des Keltischen (wo ihm in Irland, Wales und Schottland mit Ehrendoktoraten gedankt wurde) an das etymologische Wörterbuch gebunden. Das erklärt wohl auch die hochkarätig be­setzte Festschrift, die zu seinem 80. Geburtstag erschien. Immerhin finden aber auch seine frühgeschichtlichen Substratspekulationen im Fach eine Fortsetzung, vor allem bei Theo Vennemann.[23]

Q: BHE; W. Meid (als Hg.) in der Einleitung zur FS (»Beiträge zur Indogermanistik und Keltologie«, Innsbruck: Sprachwiss. Inst. d. Univ. 1967, S. 5-6; dort Bibliographie S. 323-332); E. Risch, Nach­ruf in: Neue Züricher Zeitung v. 17.4.1970: 69; Stammerjohann (P. Meyer); Lerchenmüller 1999, bes. S. 51-52, und in Elvert/ Nielsen-Sikora 2008: 763 - 780; Pól Ó Dochartaigh, J. P., 1887-1970. Germans, Celts and Nationalism. Dublin: Four Courts 2004; Archiv G. Simon, Tübingen.



[1] Die handschriftliche Dissertation 1911 habe ich nicht gesehen.

[2] »A concise Old Irish Grammar and Reader« Bd. 1 Grammar., Halle/S. und Dublin: Hodges, Figgis & Co. 1914. Der dort angekündigte zweite Band ist nicht erschienen; allerdings veröffentlichte er später andere altirische Textsammlungen.

[3] »Handbuch des Altirischen«, Heidelberg: Winter 1909, seit 1946 zugänglich in der revidierten englischen Ausgabe („A grammar of Old Irish«, Dublin: Institute for Advanced Studies, mehrere Neuauflagen seit 1946). In Anmerkungen tragen die Bearbeiter D. A. Binchy und O. Bergin dort der seit 1909 erschienenen Forschung Rechnung. P.s Arbeiten, angefangen bei dieser Habilitationsschrift,  finden dabei keine Erwähnung.

[4] Als Parteigänger der republikanischen Bewegung, deren Aufstand 1916 in Dublin blutig niedergeschlagen worden war.

[5] Im Vorwort seiner Grammatik (1914) dankt er dafür der »Gesellschaft für Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen«.

[6] Diese war von der »junggrammatischen« Autorität Thurneysens (1857-1940) be­stimmt, dessen »Handbuch Altirisch« 1909 erschien, 1946 auch auf Englisch in Dublin. T. war seit 1913 Professor für Vergleichende Sprachwissenschaft in Bonn, wo er auch noch nach seiner Emeritierung 1925 weiter lehrte.

[7] Bei einem Gespräch über irische Mythologie bemerkt eine der Figu­ren »It's rather interesting because Professor Pokorny of Vienna makes an interesting point out of that«, Penguin-Ausgabe (Harmondsworth 1968) S. 248; Erstausgabe 1922. Joyce‘ mystifizierendes Spiel mit diesen Bemerkungen zeigt P. als selbst schon quasi mythische Figur im keltistischen Diskurs: dieser figuriert dort ja in einer Handlung, die im Roman auf den 16.6.1904 datiert wird – als Pokorny noch Schüler im Internat war...

[8] Gotha: Perthes 1916. Zu P.s propagandistischen Publikationen und sonstigen Aktivitäten s. ausführlich Lerchenmüller (Q).

[9] Dublin and Cork: Talbot 1933.

[10] Durchaus kongruent zu den gleichzeiti­gen Entwürfen einer nordisch-atlantischen Urrasse/Ursprache, die etwa das »weiße« Hamitische als nordischen Fremdbestandteil in Afrika sehen will, so bei Meinhof.

[11] In: Die Sprache 5/1959: 152-164.

[12] In den Akten 1935: 82-86.

[13] Am Seminar lehrten damals noch E. Lewy und als Privatdozent J. Lohmann.

[14] S. im Textband Kap. 1.3. für die historischen Hintergründe einer solchen Argumentation.

 

[15] Diese hatte ihn allerdings längst fallen gelassen und die Wiederbesetzung der Professur mit dem Parteigenossen Mühlhausen unterstützt, was P. bis zuletzt nicht wahrhaben wollte, s. die Dokumentation bei Ó Dochartaigh, 2004 (Q).

[16] S. Lerchenmüller (Q) für Belege und Einzelheiten.

[17] In: Z. celt. Ph. 20/1936 und 21/1940; auch separat Halle/S.: Niemeyer 1938.

[18] Erschienen Berlin/Leipzig: Göschen 1930-1932; Repr. Berlin: de Gruyter 1970-1973.

[19] Das Visum war 1942 erneuert worden, im internen irischen Behördenverkehr mit dem ausdrücklichen Vermerk: »obwohl P. Jude ist«. Zu den komplexen Verhältnissen gehört auch, daß P. inzwischen in Irland, wo die republikanische Emphase in der Nachfolge des Aufstands von 1916 nicht mehr die Politik bestimmte, nicht mehr erwünscht war, s. zu diesem ganzen Komplex die Dokumentation bei Ó Dochartaigh, 2004 (Q).

[20] Zu der ambivalenten Reaktion der Fakultätskollegen im Verfahren, s. Lerchenmüller (Q): 420-422.

[21] Bern: Francke 1959 abgeschlos­sen, 2. Aufl. in 2 Bänden 1989.

[22] Erst in den 1990er Jahren formierte sich an der Universität Leiden (Niederlande) unter der Leitung von R. Beekes und A. Lubotsky ein Projekt für ein neues Indo-European Etymological Dictionary (IED). In ihrer Ankündigung schreiben die Initiatoren: »[Dieses] new Indo-European etymological dictionary [...] will replace Julius Pokorny's Indogermanisches etymologisches Wörterbuch (1959). Pokorny's masterpiece is an indispensable tool used by Indo-Europeanists for all kinds of research, but is completely outdated. A new dictionary is a long-felt desideratum.«, s. http://titus.uni-frankfurt.de/curric/ied.htm.

[23] Bei dessen ausgedehnter Produktion zur Rekonstruktion der sprachlichen Verhältnisse in Alteuropa figuriert P. durchgehend als Kronzeuge, s. von ders. »Basken, Semiten, Indogermanen. Urheimatfrage in linguistischer und anthropologischer Sicht«, in: Sprache und Kultur der Indogermanen. 10. Fachtagung der Indogermanischen Gesellschaft (= Innsbrucker Beiträge zur Spachwissenschaft 93/1998): 119-138; »Zur Etymologie von Éire, dem Namen Irlands«, in: Sprachwissenschaft 23/1998: 461-469, u.a.