Pflüger, Kurt

Geb. 12.10.1910 in Hannover, gest. 1994 in Stanmore (bei London).

 

In den »Londoner Listen« wird ein Ägyptologe Heinrich Georg Pflüger mit einer Tätigkeit in Zürich aufgeführt. Bei dem Namen handelt es sich wohl um einen Irrtum: die Angabe kann nur auf Kurt Pflüger zutreffen.

P. hatte an den Universitäten Berlin, Leipzig und Heidelberg Ägyptologie, Geschichte und Kunst studiert. In Heidelberg wurde er im Sommer 1933 wegen angeblicher kommunistischer Betätigung relegiert.[1] Er ging daraufhin nach Paris, wo er aber Probleme mit seinen Papieren hatte und deswegen wohl auch nicht studieren konnte (hinzu kamen offensichtlich auch Finanzierungsprobleme). Mit Unterstützung des Züricher Islamwissenschaftlers J. J. Hess nahm er im Sommersemester 1934 das Studium der Ägyptologie in Zürich auf, wo er 1936 mit einer historischen Arbeit »Haremhab und die Armanazeit« promovierte (nur der erste Teil wurde gedruckt).[2]

Er emigrierte später nach England, wo er mit dem Ägyptologen John Bennett an einem Projekt zur Publikation privater Gedächtnisstelen aus dem Mittleren Reich (also der Zeit von -2100 bis -1700) arbeitete, über das er 1938 auf dem 20. Orientalistenkongreß in Brüssel berichtete.[3] Die geplante Ausgabe ist wohl nicht erschienen; eine Auswertung legte P. aber später vor, die versucht, aus kunstgeschichtlichen, insbesondere ikonographischen, Indikatoren auf den Stelen sozialgeschichtliche Rückschlüsse zu ziehen. Die Analyse sprachlicher Befunde spielt außer in Hinblick auf formulaische Passagen keine Rolle; diese gehen wohl auf Bennett zurück, der hier einen Arbeitsschwerpunkt hatte.

Obwohl sich in seinem Nachlaß noch weitere ägyptologische Materialien finden, ist er in diesem Bereich später nicht mehr hervorgetreten. In England arbeitete er bei der BBC, während des Krieges vor allem wohl als aktiver Gegner des Nationalsozialismus mit der Gegenpropaganda befaßt. Nach dem Krieg hatte er bis zu seiner Pensionierung eine feste Stelle bei der BBC. Nach 1978 war er in Deutschland an einem Projekt zum Papiertheater beteiligt, also den auf Druckbögen zum Ausschneiden verbreiteten »Puppentheatern«, die mit entsprechenden Textheften, z.T. Adaptierungen des »großen« Theaters, seit dem Ende des 19. Jhdts. im Handel waren. Grundlage dafür war das Archiv des größten Produzenten von Papiertheatern, des Esslinger Verlags Schreiber.[4] Voraussetzung dafür waren wohl seine kunstgeschichtlichen Interessen.

Q: V; LdS: unplaced; Auskünfte von U. Helfenstein (Staatsarchiv des Kantons Zürich); H. Herbst (Waiblingen); D. Dröse (Hanau); C. Reuter (Essen); F. Kammerzell (Göttingen).



[1] Seine politisch aktive Haltung wird von einem engen Freund, Herrn Dröse, bestätigt (brieflich).

[2] Zwickau: Ullmann 1936 – der zweite Teil blieb ungedruckt. Die Vita im Dissertationsdruck schweigt sich über die biographischen Hintergründe aus.

[3] »Proposal to publish Egyptian private funerary stelae of Middle Kingdom«, in: „Actes du 20e Congrès Int. Orientalistes« (Brüssel 1938), Löwen: Muséon 1940: 64-65.

[4] S. K. P. mit H. Herbst, »Schreibers Kindertheater«, Pinneberg: Raecke 1986.